15.8.12. Dopamin#
Es gibt keine Nierendosis.
—🗎 Friedrich 2005
- Spezialitäten
Giludop™ 10 mg / mL Infusionskonzentrat (50 mg / 5 mL)
Giludop™ 200 mg Infusionskonzentrat (200 mg / 10 mL)
Giludop™ 250 mg Infusionslösung (250 mg / 50 mL)
- Beschreibung
Endogenes Katecholamin mit dosisabhängigen dopaminergen und adrenergen Wirkungen. Die klinische Anwendung erfolgt als kontinuierliche intravenöse Infusion.
- Wirkung
Steigerung von Kontraktilität, Schlagvolumen und Herzzeitvolumen (HZV, CO)
Dosisabhängige Steigerung der Herzfrequenz und des arteriellen Blutdrucks
Bei höheren Dosen periphere Vasokonstriktion und möglicher Rückgang der Nierenperfusion
Keine gesicherte nephroprotektive Wirkung niedriger Dosierungen
- Indikationen
Dopamin hat in der Behandlung des Kreislaufversagens heute nur noch einen sehr eingeschränkten Stellenwert. In der Regel sind Noradrenalin (als Vasopressor) oder Dobutamin (als Inotropikum) vorzuziehen.
Ausgeprägte symptomatische Bradykardie mit hämodynamischer Instabilität, insbesondere als überbrückende medikamentöse Maßnahme, wenn eine elektrische Stimulation nicht unmittelbar verfügbar oder wirksam ist.
Kreislaufversagen mit Bradykardie und gleichzeitigem Bedarf an vasopressorischer und inotroper Unterstützung in sorgfältig ausgewählten Ausnahmefällen.
Beim kardiogenen Schock wird Dopamin aufgrund des erhöhten Arrhythmierisikos und des in der SOAP-II-Studie beobachteten Mortalitätsnachteils gegenüber Noradrenalin nicht routinemäßig empfohlen(🗎 De Backer 2010). Auch beim septischen Schock ist Dopamin kein Vasopressor der ersten Wahl.
Eine isolierte Oligurie oder ein akutes Nierenversagen ist keine Indikation zur sogenannten “renalen Niedrigdosistherapie” (“Es gibt keine Nierendosis”: 🗎 Bellomo 2000, 🗎 Friedrich 2005, 🗎 Chen 2013).
- Kontraindikationen
Phäochromozytom
Tachyarrhythmien, insbesondere ventrikuläre Tachyarrhythmien
Unkorrigierter relevanter Volumenmangel
Mechanische Behinderung der Ventrikelfüllung oder des Ventrikelausflusses
Hyperthyreose als relevante Risikokonstellation
Sulfitüberempfindlichkeit bei sulfithaltigen Zubereitungen
- Dosierung
Erwachsene, kontinuierliche intravenöse Infusion: Initial 0,002–0,005 mg / kg / min bei moderatem Unterstützungsbedarf. Bei schwerem Kreislaufversagen initial etwa 0,005 mg / kg / min. Nach Wirkung schrittweise titrieren, beispielsweise alle 15–30 min um 0,005–0,010 mg / kg / min. Die meisten Patienten sprechen auf Dosierungen bis 0,020 mg / kg / min an. In der Fachinformation sind bei schweren Verläufen auch 0,020–0,050 mg / kg / min und darüber beschrieben; hierbei erhöhtes Risiko ausgeprägter Vasokonstriktion und renaler Minderperfusion
Beendigung: Infusionsrate schrittweise reduzieren, um einen abrupten Blutdruckabfall zu vermeiden
- Nebenwirkungen
Tachykardie, supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien
Myokardischämie und Angina pectoris
Hypertonie oder Hypotonie
Periphere Ischämie bis zu Nekrosen bei ausgeprägter Vasokonstriktion
Gewebeschäden bei Paravasation
Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen
- Pharmakodynamik
Dopaminerge Rezeptoren: Stimulation von D₁-Rezeptoren mit Vasodilatation in bestimmten Gefäßgebieten, jedoch ohne nachgewiesenen klinischen Nierenschutz
β₁-Rezeptoren: Positive Inotropie und Chronotropie
α₁-Rezeptoren: Zunehmende Vasokonstriktion bei höheren Infusionsraten, insbesondere über 0,010 mg / kg / min
Die Wirkungen überlagern sich und können nicht zuverlässig anhand fester Dosisgrenzen getrennt werden.
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt: Innerhalb weniger Minuten nach Infusionsbeginn
Eliminationshalbwertszeit: Etwa 2 min
Metabolismus: Rascher Abbau durch Monoaminoxidase (MAO) und Catechol-O-Methyltransferase (COMT) in Geweben, Leber und Niere
Ausscheidung: Überwiegend renal als inaktive Metaboliten
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Anwendung nur bei lebensbedrohlichen Zuständen, wenn der erwartete Nutzen die möglichen fetalen Risiken überwiegt
Stillperiode: Während der Behandlung unterbrechen, da ein Übergang in die Muttermilch und ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden können
- Anwendungshinweise
Hypovolämie vor Behandlungsbeginn nach Möglichkeit korrigieren
Kontinuierliches EKG- und Blutdruckmonitoring sowie Kontrolle von Diurese, Perfusion und Elektrolyten
Vorzugsweise zentralvenöse Infusion mit automatischer Infusionspumpe
Bei peripherer Gabe Konzentration und Infusionsrate besonders begrenzen; Paravasation vermeiden
Frische Verdünnung mit kompatibler Trägerlösung zubereiten
Nicht mit alkalischen Lösungen, insbesondere Natriumhydrogencarbonat, mischen
Bei steigender Dosis auf Tachyarrhythmien und periphere Ischämie achten
- Wechselwirkungen
MAO-Hemmer: Erhebliche Wirkungsverstärkung; nach Anwendung innerhalb der letzten 2–3 Wochen initial nur ein Zehntel der üblichen Dosis verwenden
Andere Sympathomimetika: Verstärkte adrenerge Wirkung und erhöhtes Arrhythmierisiko
β-Rezeptorblocker: Abschwächung der β-adrenergen Wirkungen; mögliches Überwiegen der Vasokonstriktion
Bestimmte Inhalationsanästhetika: Erhöhtes Risiko kardialer Rhythmusstörungen
Warnung
Eine sogenannte renale Dopamindosis verhindert kein akutes Nierenversagen und soll nicht zur Nierenprotektion eingesetzt werden. Bei septischem Schock ist Noradrenalin in der Regel das bevorzugte Vasopressor-Medikament.
Siehe auch
Katecholamine