15.8.24. Magnesium#
- Spezialitäten
Magnesiumsulfat Kalceks™ 100 mg / mL und 200 mg / mL Injektions- und Infusionslösung
- Beschreibung
Essenzielles intrazelluläres Kation und Elektrolyt. Für die intravenöse Akuttherapie wird Magnesium überwiegend als Magnesiumsulfat verabreicht. Die Dosisangaben in mg beziehen sich auf Magnesiumsulfat-Heptahydrat und nicht auf elementares Magnesium. 1.000 mg Magnesiumsulfat-Heptahydrat entsprechen ungefähr 4,1 mmol Magnesium.
- Wirkung
Stabilisierung der neuromuskulären und kardialen Erregbarkeit
Antikonvulsive Wirkung bei Präeklampsie und Eklampsie
Unterdrückung von Torsade-de-pointes-Episoden
Ausgleich eines Magnesiumdefizits
Dosisabhängige Hemmung der neuromuskulären Übertragung
- Indikationen
Symptomatische oder schwere Hypomagnesiämie
Vorbeugung und Behandlung eines Magnesiummangels bei vollständiger parenteraler Ernährung
Torsade-de-pointes-Tachykardie
Krampfprophylaxe bei schwerer Präeklampsie und Behandlung der Eklampsie
Schwerer akuter Asthmaanfall bei unzureichendem Ansprechen auf initiale Therapie als leitlinienbasierte Zusatztherapie
- Kontraindikationen
Hypermagnesiämie
Schwere Nierenfunktionsstörung oder Nierenversagen, wenn Dialyse oder ein anderes Blutreinigungsverfahren nicht verfügbar ist
- Dosierung
Torsade de pointes, Erwachsene: 2.000 mg Magnesiumsulfat i. v. über 10 min; bei Bedarf einmal wiederholen gemäß ERC 2025 ALS
Torsade de pointes, Kinder: 50 mg / kg Magnesiumsulfat i. v., maximal 2.000 mg, gemäß ERC 2025
Schwere symptomatische Hypomagnesiämie, Erwachsene: 2.000 mg Magnesiumsulfat i. v. über 15 min gemäß ERC 2025 bei akuter schwerer Symptomatik Anschließende Substitution nach Magnesiumspiegel, Nierenfunktion und klinischem Verlauf
Schwere Präeklampsie und Eklampsie: 4.000–6.000 mg Magnesiumsulfat i. v. über 20 min, anschließend 1.000–2.000 mg / h als kontinuierliche Infusion gemäß DGGG/OEGGG/SGGG-Leitlinie 2024 Die österreichische Fachinformation von Magnesiumsulfat Kalceks™ beschreibt 4.000 mg als Initialdosis und anschließend 1.000–2.000 mg / h
Hypomagnesiämie, Erwachsene: Substitution individuell nach Defizit und Nierenfunktion Die österreichische Fachinformation nennt 8.000–12.000 mg Magnesiumsulfat während der ersten 24 h, danach 4.000–6.000 mg / Tag über 3–4 Tage als allgemeine Dosierungsrichtlinie Maximale Infusionsgeschwindigkeit zur Substitution 2.000 mg / h
Niereninsuffizienz: Initialdosis gemäß Fachinformation auf 25–50 % reduzieren und engmaschig klinisch sowie laborchemisch überwachen
Schwerer akuter Asthmaanfall: 2.000 mg i.v. über 20 min, bei Kindern 40–50 mg / kg, max. 2000 mg
- Nebenwirkungen
Wärmegefühl, Flush, Übelkeit und Erbrechen
Hypotonie und Bradykardie, insbesondere bei rascher intravenöser Gabe
Muskelschwäche, abgeschwächte oder fehlende Muskeleigenreflexe
Atemdepression bis zur Apnoe bei Überdosierung
AV-Blockierungen und Herzstillstand bei schwerer Hypermagnesiämie
Lokale Venenreizung und Gewebeschädigung bei Paravasation
- Pharmakodynamik
Magnesium beeinflusst spannungsabhängige Ionenkanäle und wirkt funktionell als Calciumantagonist. Es reduziert die präsynaptische Acetylcholinfreisetzung und kann dadurch die neuromuskuläre Übertragung hemmen. Bei Torsade de pointes kann Magnesium die Arrhythmie unterdrücken, ohne das QT-Intervall notwendigerweise zu verkürzen.
- Pharmakokinetik
Verteilung: Überwiegend intrazellulär und im Knochen; nur ein kleiner Anteil des Gesamtkörpermagnesiums liegt im Extrazellulärraum
Plazentapassage: Magnesium passiert die Plazenta
Metabolismus: Als physiologisches Ion keinem enzymatischen Metabolismus unterworfen
Ausscheidung: Überwiegend renal; bei Niereninsuffizienz erhöhtes Kumulationsrisiko
Wirkungseintritt: Nach intravenöser Verabreichung unmittelbar
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Magnesiumsulfat ist Mittel der Wahl zur Prophylaxe und Therapie eklamptischer Krampfanfälle. Unter hochdosierter Therapie können beim Neugeborenen Hypotonie, Hyporeflexie und Atemdepression auftreten. Bei längerer oder wiederholter Anwendung maternale und neonatale Überwachung sicherstellen.
Stillperiode: Magnesium geht in die Muttermilch über. Nach österreichischer Fachinformation ist die Anwendung von Magnesiumsulfat Kalceks™ während der Stillzeit möglich; bei therapeutischen Dosen werden keine Auswirkungen auf gestillte Säuglinge erwartet.
- Anwendungshinweise
Magnesiumsulfat vor intravenöser Infusion entsprechend Präparat und Indikation verdünnen
Verwechslungen von elementarem Magnesium, Magnesiumsulfat und mmol-Angaben vermeiden
EKG, Blutdruck, Atemfrequenz, Muskeleigenreflexe, Diurese und Nierenfunktion indikationsabhängig überwachen
Bei Eklampsietherapie Patellarsehnenreflexe, ausreichende Spontanatmung und Diurese kontrollieren
Calciumgluconat als Antidot bei klinisch relevanter Magnesiumtoxizität unmittelbar verfügbar halten
Bei schwerer Hypermagnesiämie Magnesiumzufuhr stoppen, Calcium intravenös erwägen und gegebenenfalls Dialyse durchführen
Nicht unkontrolliert mit calcium-, phosphat- oder anderen inkompatiblen Lösungen mischen
- Wechselwirkungen
Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien: Verstärkung und Verlängerung der neuromuskulären Blockade
Calciumkanalblocker und andere Antihypertensiva: Verstärkte Hypotonie und neuromuskuläre Effekte möglich
Sedativa, Hypnotika und Opioide: Verstärkung der Atemdepression möglich
Calciumsalze: Funktioneller Antagonismus der Magnesiumwirkung; zugleich relevantes Antidot bei Überdosierung
Warnung
Bei Niereninsuffizienz kann Magnesium kumulieren. Frühe Zeichen einer Intoxikation sind Verlust der Muskeleigenreflexe, Muskelschwäche, Hypotonie und Atemdepression.
Siehe auch
Antiarrhythmika