15.8.35. Phenylephrin#
- Spezialitäten
Phenylephrin Aguettant™ 0,050 mg / mL Injektionslösung in einer Fertigspritze
Biorphen™ 10 mg / ml Amp.
Neosynephrin™ (historische Handelsbezeichnung)
- Beschreibung
Synthetisches, direkt wirkendes Sympathomimetikum ohne Katecholaminstruktur mit überwiegender α₁-adrenerger Wirkung.
- Wirkung
Arterielle und venöse Vasokonstriktion mit Anstieg des systemischen Gefäßwiderstands und des arteriellen Blutdrucks
Häufig reflektorische Bradykardie
Mögliche Abnahme von Schlagvolumen und Herzzeitvolumen (HZV, CO) durch erhöhte Nachlast und verminderte Herzfrequenz
- Indikationen
Behandlung der Hypotonie bei Spinal-, Epidural- oder Allgemeinanästhesie.
Bei spinaler Hypotonie in der Sectio Vasopressor der Wahl!
- Kontraindikationen
Schwere arterielle Hypertonie
Schwere periphere Gefäßerkrankung mit Risiko von Ischämie oder Gefäßthrombose
Schwere Hyperthyreose
Gleichzeitige Anwendung nichtselektiver MAO-Hemmer oder Anwendung innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen
- Dosierung
Erwachsene:
Bolus: 0,050–0,100 mg i. v. je Gabe; Wiederholung nach hämodynamischer Wirkung möglich; Maximale Einzeldosis 0,100 mg für Phenylephrin Aguettant™ 0,050 mg / mL
Perfusor: 0,03–0,5(–1,4) µg / kg KG / min, titriert nach hämodynamischer Wirkung; siehe Tab. 127
Kinder und Jugendliche: Sicherheit und Wirksamkeit der genannten Fertigspritze nicht nachgewiesen; keine zugelassene Dosierung
Eingeschränkte Nierenfunktion: Gegebenenfalls niedrigere Dosis erforderlich
Leberzirrhose: Gegebenenfalls höhere Dosis erforderlich
Ältere Patienten: Vorsichtige individuelle Titration
Dosierung (µg / kg KG / min) |
50 kg (ml/h) |
70 kg (ml/h) |
100 kg (ml/h) |
|---|---|---|---|
0,03 |
0,45 |
0,63 |
0,90 |
0,10 |
1,50 |
2,10 |
3,00 |
0,30 |
4,50 |
6,30 |
9,00 |
0,40 |
6,00 |
8,40 |
12,00 |
0,50 |
7,50 |
10,50 |
15,00 |
(0,75) |
(11,25) |
(15,75) |
(22,50) |
(1,00) |
(15,00) |
(21,00) |
(30,00) |
(1,40) |
(21,00) |
(29,40) |
(42,00) |
Warnung
Bei schwerer Herzinsuffizienz oder kardiogenem Schock kann die erhöhte Nachlast die kardiale Pumpfunktion verschlechtern.
- Nebenwirkungen
Reflektorische Bradykardie, Tachykardie und Herzrhythmusstörungen
Myokardischämie und Angina pectoris
Kopfschmerzen, Tremor, Unruhe, Übelkeit und Erbrechen
Periphere Ischämie und Gewebsnekrose bei Paravasation
Selten Lungenödem oder zerebrale Blutung bei ausgeprägter Hypertonie
Hypertonie bis zur hypertensiven Krise
- Pharmakodynamik
Phenylephrin aktiviert vorwiegend α₁-Adrenozeptoren der Gefäßmuskulatur. Die arterielle Vasokonstriktion erhöht den systemischen Gefäßwiderstand und die Nachlast. Der Blutdruckanstieg aktiviert den Barorezeptorreflex und kann eine ausgeprägte vagal vermittelte Bradykardie auslösen.
- Pharmakokinetik
Verteilungsvolumen: Etwa 340 L nach einmaliger Gabe
Metabolismus: Hepatisch unter Beteiligung der Monoaminoxidase
Ausscheidung: Überwiegend renal als m-Hydroxymandelsäure und phenolische Konjugate
Wirkdauer: Etwa 20 min nach intravenöser Gabe
Eliminationshalbwertszeit: Etwa 3 h
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Die intravenöse Anwendung ist bei entsprechender Indikation auch während der Schwangerschaft möglich. In der Spätschwangerschaft und unter der Geburt sind fetale Hypoxie und Bradykardie möglich. Besondere Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von Wehenmitteln wegen des Risikos einer schweren Hypertonie
Stillperiode: Kleine Mengen gehen in die Muttermilch über. Nach einem einzelnen intravenösen Bolus während der Geburt kann das Stillen fortgesetzt werden.
- Anwendungshinweise
Kontinuierliche oder engmaschige Überwachung des arteriellen Blutdrucks und der Herzfrequenz
Vorsicht bei koronarer Herzkrankheit, Bradykardie, Erregungsleitungsstörungen, Diabetes mellitus und Engwinkelglaukom
Extravasation wegen möglicher Gewebsnekrose unbedingt vermeiden
Nur klare, partikelfreie Lösung verwenden; Fertigspritze zum einmaligen Gebrauch
Nicht mit anderen Arzneimitteln mischen, da keine Kompatibilitätsstudien vorliegen
Vor Licht geschützt in der Originalverpackung aufbewahren
- Wechselwirkungen
Nichtselektive MAO-Hemmer: Kontraindizierte Kombination wegen möglicher hypertensiver Krise und Hyperthermie
Selektive MAO-A-Hemmer und Linezolid: Erhöhtes Risiko schwerer Vasokonstriktion und hypertensiver Krise
Trizyklische und noradrenerg-serotonerge Antidepressiva: Verstärkte Pressorwirkung und Arrhythmierisiko
Ergotalkaloide: Verstärkte Vasokonstriktion
Herzglykoside und Chinidin: Erhöhtes Arrhythmierisiko
Halogenierte Inhalationsanästhetika: Erhöhtes Risiko hypertensiver Reaktionen und Arrhythmien
Wehenmittel: Risiko schwerer persistierender Hypertonie