Furosemid

15.8.18. Furosemid#

Spezialitäten
  • Lasix™

  • Furon™

Darreichungsformen
  • Furon™ 40 mg-Ampullen: 10 mg / mL, 4 mL

  • Weitere orale und parenterale Präparate mit abweichenden Wirkstoffmengen

Beschreibung

Stark wirksames, rasch einsetzendes Schleifendiuretikum aus der Gruppe der Sulfonamidderivate.

Wirkung
  • Ausgeprägte Natriurese und Diurese

  • Erhöhte Ausscheidung von Kalium, Chlorid, Calcium und Magnesium

  • Reduktion von Ödemen und Volumenüberladung

  • Senkung der kardialen Vorlast bei Herzinsuffizienz, zusätzlich durch einen frühen venodilatatorischen Effekt

  • Blutdrucksenkung bei entsprechendem Volumen- und Natriumverlust

Indikationen
  • Kardiale Ödeme, insbesondere bei akuter oder chronischer Herzinsuffizienz

  • Akutes kardiales Lungenödem bei Volumenüberladung

  • Renale und hepatogene Ödeme

  • Unterstützende Behandlung des nephrotischen Syndroms

  • Ödeme nach Verbrennungen unter Berücksichtigung des intravasalen Volumenstatus

  • Hypertensive Krise als Zusatztherapie bei entsprechender Indikation

  • Ausgewählte weitere Indikationen, darunter Oligurie bei Schwangerschaftskomplikationen nach Ausgleich eines Volumenmangels und Hirnödem als unterstützende Maßnahme

Kontraindikationen
  • Anurie bei Nierenversagen ohne Ansprechen auf Furosemid

  • Schwere Hypokaliämie oder Hyponatriämie

  • Hypovolämie oder Dehydratation

  • Hepatisches Präkoma oder Koma bei hepatischer Enzephalopathie

  • Stillperiode gemäß österreichischer Fachinformation

  • Klinisch relevante Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden beziehungsweise dem Präparat

Dosierung
  • Erwachsene und Jugendliche über 15 Jahre, Ödeme: Initial 20–40 mg i. v. langsam Bei unzureichender Wirkung Dosissteigerung um jeweils 20 mg in Abständen von 2 h Anschließend wirksame Einzeldosis üblicherweise 1–2-mal täglich

  • Akutes Lungenödem: Initial 20–40 mg i. v. langsam Bei ausbleibender Diuresesteigerung Wiederholung nach 30–60 min, gegebenenfalls mit doppelter Dosis

  • Hypertensive Krise: 20–40 mg i. v. zusätzlich zu anderen therapeutischen Maßnahmen

  • Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, parenteral: Nur bei bedrohlichen Zuständen 0,500 mg / kg i. v., ausnahmsweise 1,000 mg / kg Maximale Tagesdosis 20 mg

  • Infusionsgeschwindigkeit: Maximal 4 mg / min i. v. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz mit Serumkreatinin über 5 mg / dL maximal 2,500 mg / min

Nebenwirkungen
  • Hypovolämie, Dehydratation, Hypotonie bis zum Kreislaufkollaps

  • Hypokaliämie, Hyponatriämie, Hypochlorämie, Hypomagnesiämie und metabolische Alkalose

  • Prärenale Nierenfunktionsverschlechterung bei übermäßiger Diurese

  • Hyperurikämie und Gichtanfälle

  • Verminderte Glukosetoleranz und Hyperglykämie

  • Ototoxizität mit Tinnitus oder Hörverlust, selten irreversibel

  • Hämokonzentration mit erhöhtem Thromboserisiko

  • Selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und Blutbildveränderungen

Pharmakodynamik

Hemmung des Na⁺-K⁺-2Cl⁻-Kotransporters (NKCC2) im dicken aufsteigenden Teil der Henle-Schleife. Dadurch sinkt die tubuläre Rückresorption von Natrium, Kalium und Chlorid; die renale Ausscheidung von Wasser, Calcium und Magnesium steigt. Die erhöhte distale Natriumzufuhr fördert die Kaliumsekretion. Furosemid stimuliert dosisabhängig das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System.

Pharmakokinetik
  • Wirkungseintritt nach intravenöser Gabe: Innerhalb von 2–15 min

  • Plasmaproteinbindung: Etwa 99 %

  • Verteilungsvolumen: Etwa 0,200 L / kg

  • Metabolismus: Nur geringgradig hepatisch, etwa 10 %

  • Ausscheidung: Überwiegend unverändert; etwa zwei Drittel renal und ein Drittel biliär beziehungsweise über den Stuhl

  • Eliminationshalbwertszeit: Bei normaler Nierenfunktion etwa 90 min Bei schwerer Niereninsuffizienz sowie bei Neugeborenen und Säuglingen deutlich verlängert

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Nur kurzfristig bei zwingender medizinischer Indikation Keine routinemäßige Behandlung schwangerschaftsbedingter Ödeme oder Hypertonie Bei erforderlicher Behandlung Kontrolle von Elektrolyten, Hämatokrit und fetalem Wachstum

  • Stillperiode: Gemäß österreichischer Fachinformation kontraindiziert Furosemid geht in die Muttermilch über und kann die Milchbildung hemmen

Anwendungshinweise
  • Intravasalen Volumenmangel vor Therapiebeginn korrigieren

  • Bilanzierung, Blutdruck, Diurese, Nierenfunktion, Elektrolyte und Säure-Basen-Status überwachen

  • Freien Harnabfluss sicherstellen, insbesondere bei Obstruktionsrisiko

  • Intravenös langsam verabreichen; bei höherem Bedarf kontinuierliche Infusion erwägen

  • Parenterale Anwendung auf orale Therapie umstellen, sobald klinisch möglich

  • Furon™-Injektionslösung nur mit geeigneter isotonischer Natriumchloridlösung verdünnen und nicht mit anderen Arzneimitteln in derselben Spritze mischen

  • Saure Infusionslösungen vermeiden, da Furosemid ausfallen kann

  • Bei Frühgeborenen auf Nephrokalzinose und persistierenden Ductus arteriosus achten

Wechselwirkungen
  • Aminoglykoside, insbesondere Gentamicin: Verstärkung der Ototoxizität bis zu möglicherweise irreversiblen Hörschäden

  • Weitere nephrotoxische Arzneimittel: Erhöhtes Risiko einer Nierenschädigung

  • Nichtsteroidale Antirheumatika: Abschwächung der diuretischen Wirkung und erhöhtes Risiko akuter Nierenschädigung bei Hypovolämie

  • ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker: Gefahr ausgeprägter Hypotonie und Verschlechterung der Nierenfunktion, insbesondere bei Therapiebeginn

  • Herzglykoside und QT-verlängernde Arzneimittel: Erhöhtes Arrhythmierisiko bei Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie

  • Glukokortikoide, Amphotericin B und Laxanzien: Verstärkung des Kaliumverlustes

  • Lithium: Erhöhte Lithiumtoxizität durch verminderte renale Elimination

  • Risperidon: Erhöhte Mortalität bei älteren Patienten mit Demenz in klinischen Studien beschrieben

  • Anästhetika und neuromuskuläre Blocker: Verstärkung von Hypotonie beziehungsweise neuromuskulärer Blockade möglich

Warnung

Bei rascher intravenöser Gabe, schwerer Niereninsuffizienz oder gleichzeitiger Anwendung ototoxischer Arzneimittel steigt das Risiko einer Hörschädigung. Die intravenöse Injektionsgeschwindigkeit darf 4 mg / min nicht überschreiten; bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz gelten niedrigere Grenzwerte.