Morphin

15.8.30. Morphin#

Spezialitäten, Markennamen
  • Vendal™ 10 mg-Ampullen (10 mg Morphinhydrochlorid-Trihydrat in 1 mL; entsprechend 7,6 mg Morphinbase)

Beschreibung

Stark wirksames Opioidanalgetikum aus der Gruppe der natürlichen Opiumalkaloide. Die Dosierungsangaben beziehen sich auf Morphinhydrochlorid-Trihydrat, nicht auf Morphinbase.

Wirkung
  • Ausgeprägte Analgesie

  • Sedierung und dosisabhängige Atemdepression

  • Miosis und Hemmung der gastrointestinalen Motilität

  • Mögliche Histaminfreisetzung mit Vasodilatation und Blutdruckabfall

Indikationen
  • Starke und sehr starke akute oder chronische Schmerzen, insbesondere postoperative Schmerzen und Tumorschmerzen

  • Ausgewählte Fälle schwerer Schmerzen bei akutem Koronarsyndrom unter Berücksichtigung der Wechselwirkung mit oralen P2Y12-Hemmern

Kontraindikationen
  • Atemdepression sowie relevante obstruktive Atemwegserkrankungen gemäß Fachinformation

  • Paralytischer Ileus und akutes Abdomen

  • Akute Lebererkrankung und akute hepatische Porphyrie

  • Gleichzeitige Therapie mit MAO-Hemmern sowie innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen

  • Kombination mit partiellen Opioidagonisten beziehungsweise gemischten Agonisten/Antagonisten wie Buprenorphin oder Nalbuphin gemäß Fachinformation

  • Säuglinge unter 6 Monaten bei Anwendung von Vendal™ 10 mg-Ampullen

  • Kopfverletzungen und zerebrale Krampfanfälle gemäß Fachinformation; in der Notfallmedizin situationsbezogene Nutzen-Risiko-Abwägung bei notwendiger Analgesie

Dosierung
  • Erwachsene und Jugendliche über 50 kg, intravenös: 5–10 mg alle 4–6 h als Richtwert gemäß Fachinformation Bei akuten Schmerzen vorsichtige Titration in kleinen Teilgaben bis zur ausreichenden Analgesie

  • Erwachsene und Jugendliche über 50 kg, subkutan oder intramuskulär: 10–30 mg alle 4–6 h

  • Kinder und Jugendliche unter 50 kg, intravenös: 0,050–0,100 mg / kg alle 4–6 h Maximale Einzeldosis 15 mg

  • Kinder und Jugendliche unter 50 kg, subkutan oder intramuskulär: 0,050–0,200 mg / kg alle 4–6 h Maximale Einzeldosis 15 mg

  • Säuglinge von 6 bis 12 Monaten: Besonders strenge Indikationsstellung und Dosisreduktion

  • Ältere, geschwächte Patienten sowie Nieren- oder Leberfunktionsstörung: Vorsichtige Dosistitration, gegebenenfalls niedrigere Dosis und verlängerte Intervalle

  • Epidural und intrathekal: Gesonderte neuraxiale Dosierungsschemata und 24-stündige Überwachung; nur durch entsprechend erfahrene Anwender mit verfügbarer Beatmungsmöglichkeit

Nebenwirkungen
  • Atemdepression bis Apnoe

  • Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Miosis, Sedierung

  • Hypotonie, insbesondere bei Hypovolämie; Pruritus und Histaminfreisetzung

  • Harnverhalt, Gallenwegsspasmen und Sphincter-Oddi-Spasmus

  • Toleranzentwicklung, körperliche Abhängigkeit und Entzugssyndrom bei abruptem Absetzen

  • Opioidinduzierte Hyperalgesie und Myoklonien

  • Selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und akute generalisierte exanthematische Pustulose

Pharmakodynamik

Morphin ist vorwiegend ein Agonist am μ-Opioidrezeptor und in geringerem Umfang am κ-Opioidrezeptor. Die Aktivierung zentraler und spinaler Opioidrezeptoren hemmt die nozizeptive Signalübertragung. Die μ-Rezeptorwirkung vermittelt unter anderem Analgesie, Euphorie, Atemdepression und eine verminderte Darmmotilität.

Pharmakokinetik
  • Wirkmaximum: Nach intravenöser Gabe etwa 20–30 min; nach subkutaner oder intramuskulärer Gabe etwa 60–90 min

  • Analgetische Wirkdauer: Nach systemischer Gabe ungefähr 2–5 h

  • Metabolismus: Überwiegend hepatische und intestinale Glukuronidierung zu Morphin-3-glucuronid und dem pharmakologisch aktiven Morphin-6-glucuronid

  • Eliminationshalbwertszeit: Im Mittel etwa 1,7–4,5 h nach parenteraler Gabe, mit erheblicher interindividueller Variabilität

  • Ausscheidung: Überwiegend renal als Metaboliten Bei Niereninsuffizienz können Glukuronide kumulieren und die Opioidwirkung verlängern

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Anwendung nur, wenn der erwartete Nutzen für die Mutter das fetale Risiko eindeutig überwiegt. Morphin passiert die Plazenta; insbesondere peripartal besteht die Gefahr einer neonatalen Atemdepression. Nach längerer mütterlicher Opioidexposition auf neonatales Entzugssyndrom achten.

  • Stillperiode: Während der Behandlung mit Vendal™ soll gemäß österreichischer Fachinformation nicht gestillt werden. Morphin geht in die Muttermilch über und kann beim Säugling klinisch relevante Wirkungen verursachen.

Anwendungshinweise
  • Atemfrequenz, Sedierungsgrad, Sauerstoffsättigung und Kreislauf engmaschig überwachen

  • Bei intravenöser Akuttherapie schrittweise nach Analgesie und Nebenwirkungen titrieren

  • Atemwegssicherung, Beatmung und Naloxon für den Notfall verfügbar halten

  • Bei längerfristiger Anwendung Absetzen ausschleichend planen

  • Bei Verdacht auf Überdosierung Atemwegssicherung und Ventilation priorisieren; Naloxon vorsichtig nach Atemfunktion titrieren

  • Bei neuraxialer Anwendung ausschließlich geeignete Zubereitungen und spezifische Überwachungsstandards verwenden

  • Vendal™ 10 mg-Ampullen sind mit 0,9%iger Natriumchloridlösung und 5%iger Glucoselösung kompatibel

Wechselwirkungen
  • Benzodiazepine, Sedativa, Alkohol, andere Opioide und Gabapentinoide: Verstärkte Sedierung und Atemdepression bis zu Koma und Tod

  • MAO-Hemmer: Potenziell schwere zentrale und hämodynamische Reaktionen; kontraindizierte Kombination

  • Buprenorphin, Nalbuphin und Pentazocin: Abschwächung der Analgesie und mögliches Entzugssyndrom

  • Orale P2Y12-Hemmer: Verzögerte Resorption und möglicherweise abgeschwächte frühe Thrombozytenhemmung bei akutem Koronarsyndrom

  • Rifampicin: Verminderte Morphinexposition und analgetische Wirkung möglich

  • Cimetidin: Verstärkte Morphinwirkung möglich

Warnung

Morphin kann auch in therapeutischer Dosierung eine lebensbedrohliche Atemdepression verursachen. Bei Niereninsuffizienz kann die Wirkung durch Kumulation aktiver Metaboliten verlängert sein.

Siehe auch