Esmolol

15.8.13. Esmolol#

Spezialitäten, Markennamen

Brevibloc™ (z. B. 100 mg / 10 ml).

Esmolol ist ein ultrakurz wirksamer, β₁-selektiver Betablocker (Klasse-II-Antiarrhythmikum) ohne intrinsische sympathikomimetische Aktivität.

Gefahr

Cave Verwechslungsgefahr mit Esmeron™ (Rocuronium)!

Wirkung
  • Negativ chronotrop, dromotrop und inotrop

  • Rasch steuerbare Reduktion von Herzfrequenz und Blutdruck

  • Bei höheren Dosen abnehmende β₁-Selektivität; Bronchokonstriktion und periphere Vasokonstriktion möglich

Indikationen
  • Supraventrikuläre Tachyarrhythmien ohne Präexzitation, insbesondere Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern und Vorhofflattern

  • Nichtkompensatorische Sinustachykardie bei entsprechender Behandlungsindikation

  • Perioperative Tachykardie und Hypertonie, einschließlich Intubation, intra- und postoperativer Phase

  • Thyreotoxikose: symptomatische Frequenzkontrolle nach individueller Indikationsstellung

Kontraindikationen
  • Schwere Sinusbradykardie (unter 50 / min)

  • Sick-Sinus-Syndrom oder höhergradige AV-Überleitungsstörung ohne Schrittmacher

  • Kardiogener Schock, schwere Hypotonie, dekompensierte Herzinsuffizienz

  • Gleichzeitige oder weniger als 48 h zurückliegende intravenöse Verapamilgabe

  • Akuter Asthmaanfall

  • Unbehandeltes Phäochromozytom

  • Pulmonale Hypertonie

  • Metabolische Azidose

Dosierung
  • Supraventrikuläre Tachyarrhythmie, Erwachsene: Einleitungsdosis 0,500 mg / kg i.v. über 1 min; anschließend 0,050 mg / kg / min über 4 min. Bei unzureichender Wirkung Einleitungsdosis gegebenenfalls wiederholen und Infusionsrate stufenweise auf 0,100, 0,150 und 0,200 mg / kg / min steigern. Übliche Erhaltungsdosis 0,050–0,200 mg / kg / min; niedrigere Dosen ab 0,025 mg / kg / min möglich.

  • Perioperative Tachykardie und Hypertonie: Bei erforderlicher sofortiger Kontrolle gemäß Fachinformation 80 mg i.v. über 15–30 s, anschließend 0,150 mg / kg / min; bei Bedarf titrieren, maximal 0,300 mg / kg / min. Bei Zeit zur Titration Einleitungsdosis 0,500 mg / kg über 1 min, anschließend schrittweise Infusion.

  • Dosisanpassung: Nach Herzfrequenz, Blutdruck und Verträglichkeit; bei Hypotonie oder Bradykardie Infusion reduzieren oder stoppen.

Nebenwirkungen
  • Hypotonie (dosisabhängig), Bradykardie, AV-Block

  • Akute Verschlechterung einer Herzinsuffizienz bis Kreislaufstillstand

  • Bronchospasmus, insbesondere bei bronchialer Hyperreagibilität

  • Infusionsstellenreaktionen, gegebenenfalls Extravasationsschäden

Pharmakodynamik
  • Kompetitive β₁-Adrenozeptorblockade mit verminderter Sinusknotenfrequenz, AV-Überleitung und Kontraktilität.

  • Bei höheren Dosierungen auch β₂-vermittelte Effekte möglich.

  • Wirkungseintritt innerhalb weniger Minuten; nach Absetzen rasches Abklingen.

Pharmakokinetik
  • Metabolismus: Hydrolyse durch Esterasen im Blut, insbesondere in Erythrozyten; weitgehend unabhängig von der Leberfunktion.

  • Eliminationshalbwertszeit: etwa 9 min.

  • Niereninsuffizienz: Elimination des inaktiven Säuremetaboliten verzögert; bei längerer Infusion Vorsicht.

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung gemäß Fachinformation.

  • Stillperiode: Fachinformation des verwendeten Präparats beachten.

Anwendungshinweise
  • Kontinuierliches EKG- und Blutdruckmonitoring; hämodynamisch titrieren.

  • Bei Katecholaminbedarf, eingeschränkter Pumpfunktion oder bronchialer Hyperreagibilität besonders vorsichtig.

  • Nach längerer Anwendung Infusion möglichst ausschleichend beenden; Rebound-Tachykardie und -Hypertonie möglich.

Gefahr

Verapamil und Esmolol Keine gleichzeitige intravenöse Anwendung mit Verapamil. Auch innerhalb von 48 h nach intravenöser Verapamilgabe ist Esmolol gemäß Brevibloc-Fachinformation kontraindiziert. Gefahr schwerer Bradykardie, AV-Blockierung und Kreislaufdekompensation.

Wechselwirkungen
  • Verapamil, Diltiazem und andere negativ chronotrope/inotrope Substanzen: verstärkte Bradykardie, AV-Blockierung und Hypotonie.

  • Andere Antihypertensiva und Anästhetika: verstärkte Blutdrucksenkung möglich.