Prothrombin-Komplex

15.8.40. Prothrombin-Komplex#

Spezialitäten, Markennamen
  • Prothromplex TOTAL 600 I.E.

  • Beriplex® P/N

Prothrombinkomplex-Konzentrat (PCC, 4F-PCC) ist ein aus Humanplasma hergestelltes Konzentrat der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X. Die Präparate enthalten zusätzlich gerinnungsregulierende Proteine, insbesondere Protein C; die genaue Zusammensetzung ist präparatespezifisch.

Wirkung
  • Rasche Substitution der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X

  • Wiederherstellung der Thrombinbildung bei entsprechendem Faktorenmangel

  • Rasche Aufhebung der durch Vitamin-K-Antagonisten verursachten Gerinnungshemmung; die Wirkung ist ohne zusätzliche Vitamin-K-Gabe zeitlich begrenzt

Indikationen
  • Behandlung und perioperative Prophylaxe von Blutungen bei erworbenem Mangel an Prothrombinkomplex-Faktoren, insbesondere bei Vitamin-K-Antagonisten, wenn eine rasche Korrektur erforderlich ist

  • Behandlung und perioperative Prophylaxe von Blutungen bei angeborenem Mangel Vitamin-K-abhängiger Faktoren, wenn kein spezifisches Faktorenkonzentrat verfügbar ist

Kontraindikationen
  • Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) in der Vorgeschichte bei heparinhaltigen Präparaten

  • Erhöhtes thromboembolisches Risiko: sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung; nicht pauschal absolute Kontraindikation

Dosierung
  • Dringliche Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten bei Erwachsenen: INR- und gewichtsadaptierte Dosierung gemäß Fachinformation. Die Einheiten beziehen sich auf die Aktivität von Faktor IX.

    Tab. 130 Orientierende Dosierung bei VKA-Antagonisierung#

    INR vor Behandlung

    Dosis

    Beispiel bei 70 kg

    2,0–3,9

    25 I.E. / kg

    1.750 I.E.

    4,0–6,0

    35 I.E. / kg

    2.450 I.E.

    6,0

    50 I.E. / kg

    3.500 I.E.

  • Prothromplex TOTAL 600 I.E.: Laut Fachinformation entspricht 1 I.E. Faktor IX / kg KG ungefähr einer Zunahme des Quick-Wertes um 1 Prozentpunkt. Die historische Formel „gewünschte Prozentpunkte × Körpergewicht“ ist daher als Näherung für dieses Präparat nachvollziehbar, ersetzt jedoch nicht die INR-adaptierte Dosierung und Gerinnungskontrolle.

  • Beriplex P/N: Bei Körpergewicht über 100 kg gelten für die genannten INR-Bereiche maximale Einzeldosen von 2.500, 3.500 bzw. 5.000 I.E.

  • Begleittherapie: Bei dringlicher VKA-Antagonisierung zusätzlich Vitamin K (5–10 mg langsam i.v.) verabreichen, sofern keine besondere Gegenanzeige besteht, um einen erneuten INR-Anstieg zu verhindern.

  • Kontrolle: INR vor und nach Gabe bestimmen; Wiederholungsdosen nur anhand klinischer Situation, Gerinnungswerten und Fachinformation erwägen.

  • Andere Faktorenmangelzustände: Individuelle Dosierung nach Faktorenaktivität, Blutung, Eingriff und Fachinformation.

  • DOAC-Blutung: 50 IE / kg off-label

Nebenwirkungen
  • Thromboembolische Ereignisse einschließlich venöser und arterieller Thrombosen

  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)

  • Überempfindlichkeitsreaktionen bis zur Anaphylaxie

  • HIT bei heparinhaltigen Präparaten

  • Übertragungsrisiko infektiöser Erreger trotz Herstellungs- und Sicherheitsmaßnahmen nicht vollständig ausschließbar

Pharmakodynamik
  • Substitution der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X; die Gerinnungsaktivität steigt nach i.v. Gabe rasch an.

  • Die Faktoraktivitäten und die INR reagieren unterschiedlich auf die einzelnen Faktoren; die klinische Hämostase ist zusätzlich zu beurteilen.

Pharmakokinetik
  • Applikation: Intravenös.

  • Halbwertszeiten: Unterschiedlich je Faktor; laut Prothromplex-Fachinformation Faktor II 40–60 h, VII 3–5 h, IX 16–30 h und X 30–60 h.

  • Die durch PCC erzielte Korrektur bei VKA-Behandlung kann kürzer anhalten als die Wirkung des Vitamin-K-Antagonisten.

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Nur bei eindeutiger Indikation und nach Nutzen-Risiko-Abwägung; begrenzte klinische Daten.

  • Stillperiode: Nur bei eindeutiger Indikation; präparatespezifische Fachinformation beachten.

Anwendungshinweise
  • Dosierung und Infusionsgeschwindigkeit sind präparatespezifisch. Für Prothromplex TOTAL 600 I.E. empfiehlt die Fachinformation maximal 2 ml / min (60 I.E. / min).

  • Bei VKA-Antagonisierung Verlauf von INR und Blutung kontrollieren.

  • Thromboembolische Risiken berücksichtigen, insbesondere bei Patienten mit vorbestehenden Risikofaktoren.

  • Chargennummer und Präparat dokumentieren.

Warnung

Heparin und Natrium Bei HIT ist die genaue Präparatezusammensetzung entscheidend.