15.8.2. Adenosin#
- Spezialitäten, Markennamen
Adenosin Baxter 3 mg / ml Injektionslösung (6 mg / 2 ml)
Adenosin ist ein endogenes Purinnukleosid mit extrem kurzer Wirkdauer. Es verlangsamt die AV-Überleitung und kann AV-Knoten-abhängige Reentrytachykardien terminieren.
- Wirkung
Transienter AV-Block durch negative Dromotropie
Terminierung von AV-Knoten-Reentrytachykardien (AVNRT) und orthodromen AV-Reentrytachykardien (AVRT)
Vorhofflattern und Vorhofflimmern: keine Terminierung; vorübergehende AV-Blockierung kann Vorhofaktivität demaskieren
Ventrikuläre Tachykardie: in der Regel keine Terminierung; Ausnahmen bei adenosinsensitiven idiopathischen VT
- Indikationen
Paroxysmale regelmäßige supraventrikuläre Tachykardie, insbesondere AVNRT und orthodrome AVRT
Diagnostische Demaskierung der Vorhofaktivität bei ausgewählten Tachykardien
- Kontraindikationen
AV-Block II° oder III° und Sick-Sinus-Syndrom ohne funktionierenden Schrittmacher
Bronchialasthma bzw. obstruktive Lungenerkrankung mit Bronchospasmus
Long-QT-Syndrom
Schwere Hypotonie
Dekompensierte Herzinsuffizienz
Präexzitiertes Vorhofflimmern bzw. irreguläre Breitkomplextachykardie: Gefahr von Kammerflimmern
- Dosierung
Gabe immer als rascher Bolus, da extrem kurze Halbwertszeit
Erwachsene: 6 mg i.v. als rascher (!) Bolus (innerhalb von 2 s); bei Wirkungslosigkeit 12 mg, anschließend ggf. 18 mg. Dieses Schema weicht von der Fachinformation Adenosin Baxter ab.
Kinder, Fachinformation Adenosin Baxter: Initial 0,100 mg / kg i.v. (max. 6 mg); Steigerung in Schritten von 0,100 mg / kg (max. 12 mg je Bolus).
Nach Herztransplantation: Erhöhte Adenosinempfindlichkeit, insbesondere innerhalb des ersten Jahres; reduzierte Anfangsdosis erwägen (Drittel bis ein Fünftel).
Nieren- und Leberinsuffizienz: Keine relevante Beeinflussung der Wirkung durch eingeschränkte Organfunktion zu erwarten.
- Nebenwirkungen
Kurzzeitiger AV-Block, Sinusarrest, Bradykardie bis Asystolie
Flush, Thoraxdruck, Dyspnoe, Angstgefühl
Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit
Hypotonie, Bronchospasmus
Selten schwere Arrhythmien, insbesondere Vorhofflimmern, Torsade de Pointes oder Kammerflimmern
- Pharmakodynamik
AV-Knoten: Adenosinrezeptorvermittelte Hemmung der AV-Überleitung mit transientem AV-Block.
Arrhythmien: Unterbrechung AV-Knoten-abhängiger Reentrykreise.
- Pharmakokinetik
Halbwertszeit: Weniger als 10 s im Blut, daher rascher Bolus wichtig!
Elimination: Rasche zelluläre Aufnahme und Metabolisierung, insbesondere in Erythrozyten und Gefäßendothel.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Risiko-Nutzen-Abwägung
Stillperiode: unbekannt
- Wechselwirkungen
Dipyridamol: deutliche Wirkungsverstärkung; laut Fachinformation möglichst vermeiden, andernfalls Dipyridamol 24 h vorher absetzen oder Adenosindosis deutlich reduzieren.
Theophyllin, Aminophyllin und andere Xanthine: kompetitiver Antagonismus; verminderte Adenosinwirkung.
Arzneimittel mit Einfluss auf die kardiale Erregungsleitung: mögliche Wechselwirkungen.
- Anwendungshinweise
Sehr rascher i.v. Bolus über möglichst proximalen Zugang, unmittelbar mit NaCl 0,9 % nachspülen.
Kontinuierliches EKG-Monitoring; Reanimations- und Atemwegsmanagementbereitschaft.
Kurzzeitiger höhergradiger AV-Block bzw. eine kurze Pause ist als pharmakologische Wirkung zu erwarten.
Bei hämodynamischer Instabilität synchronisierte Kardioversion nicht verzögern.
- Antagonisierung
Theophyllin bzw. Aminophyllin bei anhaltenden schweren Nebenwirkungen (Fachinformation).