Lorazepam

15.8.23. Lorazepam#

Spezialitäten
  • Xilmac™ 2 mg-Ampullen (2 mg / mL)

  • Temesta™ 1 mg- und 2,5 mg-Tabletten

Beschreibung

Benzodiazepin mit anxiolytischer, sedierender, amnestischer, antikonvulsiver und muskelrelaxierender Wirkung. Im Unterschied zu Diazepam entstehen beim Metabolismus keine pharmakologisch aktiven Metaboliten.

Wirkung
  • Anxiolyse und Sedierung

  • Antikonvulsive Wirkung, insbesondere zur initialen Durchbrechung eines Status epilepticus

  • Anterograde Amnesie

  • Zentrale Muskelrelaxation

  • Dosisabhängige Atemdepression, insbesondere in Kombination mit anderen zentral dämpfenden Substanzen

Indikationen
  • Konvulsiver Status epilepticus und andere anhaltende epileptische Anfälle

  • Prämedikation vor operativen und diagnostischen Eingriffen

  • Kurzfristige Behandlung schwerer akuter Angst- und Erregungszustände, einschließlich ausgewählter Situationen beim Alkoholentzug

  • Zusatztherapie zur Antiemese unter zytotoxischer Chemotherapie

Kontraindikationen
  • Myasthenia gravis

  • Schwerwiegende respiratorische Insuffizienz oder Schlafapnoesyndrom

  • Akute Alkohol-, Psychopharmaka-, Schlaf- oder Analgetikaintoxikation

  • Leber- oder Nierenversagen sowie Schock- und Kollapszustände gemäß Fachinformation der Xilmac™-Ampullen

  • Kinder unter 3 Jahren außerhalb der Behandlung eines Status epilepticus

  • Bei intramuskulärer Gabe zusätzlich Porphyrie, hämorrhagische Diathese und Störungen der Hämatopoese

Dosierung
  • Status epilepticus, Erwachsene: 4 mg i. v. langsam mit maximal 2 mg / min Bei anhaltenden oder erneut auftretenden Anfällen nach 10–15 min einmalig weitere 4 mg Höchstens 8 mg innerhalb von 12 h gemäß Fachinformation

  • Status epilepticus, Kinder und Jugendliche ab 1 Monat: 0,100 mg / kg i. v., maximal 4 mg pro Gabe Bei anhaltenden Anfällen nach 10–15 min einmalige Wiederholung derselben Dosis Insgesamt höchstens zwei Gaben

  • Prämedikation, Erwachsene, intravenös: 0,044 mg / kg i. v. etwa 15–20 min vor dem Eingriff, maximal 4 mg Bei Patienten über 50 Jahren in der Regel zunächst 2 mg und die Dosis von 4 mg nicht überschreiten

  • Prämedikation, Erwachsene, intramuskulär: 0,050 mg / kg i. m. mindestens 2 h vor dem Eingriff

  • Akute schwere Angst- und Erregungszustände, Erwachsene: 2–4 mg i. v. oder i. m. als Anfangsdosis, gegebenenfalls Wiederholung nach 2 h

  • Antiemetische Zusatztherapie bei Chemotherapie, Erwachsene: 0,050 mg / kg i. v. 30–60 min vor Beginn, maximal 4 mg Bei Bedarf Wiederholung nach 4 h

  • Ältere, geschwächte oder kardiorespiratorisch beeinträchtigte Patienten: Dosisreduktion und vorsichtige individuelle Titration

Warnung

Xilmac™ enthält Benzylalkohol, Propylenglykol und Polyethylenglykol. Bei Kindern unter 5 Jahren besteht insbesondere bei wiederholter Gabe oder zusätzlichen Expositionsquellen ein Risiko für Hilfsstoffakkumulation und metabolische Toxizität. Die Anwendung bei Früh- und Neugeborenen ist kontraindiziert; zur Behandlung eines Status epilepticus ist das Präparat ab einem Alter von 1 Monat zugelassen.

Nebenwirkungen
  • Somnolenz, Ataxie, Muskelschwäche und anterograde Amnesie

  • Atemdepression bis zur Apnoe, besonders bei zusätzlicher Opioidgabe

  • Hypotonie und selten Kreislaufstillstand

  • Paradoxe Erregung, Agitation, Aggressivität oder Halluzinationen

  • Toleranz, Abhängigkeit und Entzugssyndrom einschließlich Krampfanfällen nach abruptem Absetzen

  • Sturzrisiko bei älteren Patienten

  • Bei hohen oder lang anhaltenden parenteralen Dosen mögliche Propylenglykoltoxizität mit Hyperosmolalität, metabolischer Azidose und Nierenschädigung

Pharmakodynamik

Positiver allosterischer Modulator am GABA-A-Rezeptorkomplex mit Verstärkung der inhibitorischen GABA-Wirkung. Die zentral dämpfenden Effekte sind dosisabhängig. Die amnestische und sedierende Wirkung tritt nach intravenöser Gabe üblicherweise innerhalb von 15–20 min deutlich hervor.

Pharmakokinetik
  • Resorption: Nach intramuskulärer Gabe rasche und nahezu vollständige Resorption; maximale Plasmakonzentration nach etwa 60–90 min

  • Verteilung: Verteilungsvolumen etwa 1,3 L / kg; Plasmaproteinbindung etwa 92 %

  • Metabolismus: Überwiegend direkte Glukuronidierung durch UGT-Enzyme, insbesondere UGT2B4, UGT2B7 und UGT2B15, zu inaktivem Lorazepamglukuronid Kein relevanter oxidativer CYP-Metabolismus und keine aktiven Metaboliten

  • Eliminationshalbwertszeit: Etwa 12–16 h

  • Ausscheidung: Überwiegend renal als Glukuronid

  • Niereninsuffizienz: Verminderte Ausscheidung des inaktiven Glukuronids; die Elimination des unveränderten Lorazepams ist nach Einzeldosis meist wenig verändert

  • Leberfunktionsstörung: Bei leichter bis mittelgradiger Einschränkung relativ geringe Beeinflussung der Glukuronidierung; bei schwerer Erkrankung verlängerte Halbwertszeit möglich

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Anwendung vermeiden. Bei Anwendung gegen Ende der Schwangerschaft oder unter der Geburt sind neonatale Sedierung, Hypotonie, Atemdepression, Trinkschwäche und bei längerer mütterlicher Einnahme Entzugssymptome möglich. Die Injektionszubereitung enthält zusätzlich plazentagängige Hilfsstoffe.

  • Stillperiode: Xilmac™-Ampullen sollen während der Stillzeit nicht angewendet werden. Lorazepam und Bestandteile der Injektionszubereitung können in die Muttermilch übergehen; beim Säugling sind Sedierung und Saugschwierigkeiten möglich.

Anwendungshinweise
  • Kühl lagern

  • Intravenöse Gabe nur mit verfügbarer Atemwegssicherung, Beatmungsmöglichkeit und geeignetem Monitoring

  • Xilmac™ vor intravenöser Gabe im Verhältnis 1:1 mit einer kompatiblen Lösung verdünnen

  • Intravenöse Injektionsgeschwindigkeit höchstens 2 mg / min

  • Intraarterielle Injektion strikt vermeiden

  • Bei i. m. Gabe tief intraglutäal injizieren

  • Nach parenteraler Gabe Überwachung und Entlassungsbedingungen entsprechend Fachinformation beachten

  • Bei persistierendem Status epilepticus rechtzeitig eine geeignete Zweitlinientherapie, beispielsweise mit Valproat oder Levetiracetam, einleiten

  • Flumazenil kann die Benzodiazepinwirkung antagonisieren, ersetzt jedoch weder Atemwegssicherung noch Beatmung und kann insbesondere bei Benzodiazepinabhängigkeit oder Mischintoxikation Krampfanfälle auslösen

  • Eine länger dauernde Anwendung nicht abrupt beenden

Wechselwirkungen
  • Opioide, Alkohol und andere zentral dämpfende Arzneimittel: Additive Sedierung und Atemdepression bis zum Koma

  • Valproat: Verminderte Lorazepam-Clearance; Dosisreduktion um etwa 50 % gemäß Fachinformation

  • Probenecid: Verminderte Lorazepam-Clearance; Dosisreduktion um etwa 50 % gemäß Fachinformation

  • Theophyllin und Aminophyllin: Abschwächung der sedierenden Wirkung

  • Scopolamin: Verstärkte Sedierung und neuropsychiatrische Nebenwirkungen; Kombination vermeiden

  • Haloperidol: Berichte schwerer kardiorespiratorischer Ereignisse bei gemeinsamer parenteraler Anwendung

Siehe auch