15.8.48. Tranexamsäure#
- Spezialitäten, Markennamen
Cyklokapron™ 100 mg / mL Injektions- und Infusionslösung
- Beschreibung
Tranexamsäure (TXA) ist ein synthetisches Lysinanalogon aus der Gruppe der Antifibrinolytika. Die intravenöse Zubereitung enthält 100 mg / mL; Ampullen mit 5 mL enthalten 500 mg, solche mit 10 mL enthalten 1.000 mg.
- Wirkung
Tranexamsäure hemmt die Aktivierung von Plasminogen zu Plasmin und vermindert dadurch den Abbau von Fibrin. Sie stabilisiert bereits gebildete Fibringerinnsel, ohne selbst die Gerinnungsfaktoren zu ersetzen oder eine Blutungsquelle zu verschließen.
- Indikationen
Prophylaxe und Behandlung von Blutungen bei lokaler oder generalisierter Hyperfibrinolyse bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr
Blutungen im Zusammenhang mit größeren operativen Eingriffen, insbesondere in der Herz-, Thorax-, Bauch-, HNO- und gynäkologischen Chirurgie
Geburtshilfliche Blutungen
Blutungen im Rahmen einer fibrinolytischen Therapie
Frühzeitige Behandlung blutender Traumapatienten oder solcher mit hohem Risiko einer relevanten Blutung gemäß europäischer Traumaleitlinie
Perioperative Blutungsprophylaxe bei Knie- und Hüfttotalendoprothesen (
Tranexamsaeure-perioperativ-orthopaedie: Tranexamsaeure-perioperativ-orthopaedie)
- Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Tranexamsäure oder einen sonstigen Bestandteil
Akute venöse oder arterielle Thrombose
Hyperfibrinolyse infolge einer Verbrauchskoagulopathie, sofern nicht eine ausgeprägte Fibrinolyse mit akuter schwerer Blutung überwiegt
Krampfanfälle in der Anamnese
Intrathekale, epidurale, intraventrikuläre oder intrazerebrale Applikation
- Dosierung
Lokale Fibrinolyse, Erwachsene: 500–1 000 mg i. v. zwei- bis dreimal täglich
Generalisierte Fibrinolyse, Erwachsene: 1 000 mg i. v. alle 6–8 h; die Fachinformation nennt entsprechend etwa 15 mg / kg KG
Kinder ab einem Jahr: Laut Fachinformation etwa 20 mg / kg KG / Tag für die zugelassenen Indikationen; die Evidenz zur optimalen Dosierung ist begrenzt
Traumatische und postpartale Blutung, Erwachsene: Möglichst früh und innerhalb von 3 h nach Verletzung 1.000 mg i. v. über 10 min, anschließend 1 000 mg als Infusion über 8 h gemäß europäischer Traumaleitlinie
Prophylaxe bei Knie- oder Hüfttotalendoprothese:
Vor Hautschnitt 1 000 mg langsam i. v., bei Körpergewicht über 100 kg 1 500 mg
Im Aufwachraum erneut 1 000 mg langsam i. v., bei Körpergewicht über 100 kg 1 500 mg
Die Dosis ist bei Nierenfunktionseinschränkung zu reduzieren, siehe Tab. 133. Bei eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.
- Nebenwirkungen
Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö
Hypotonie bis zur Synkope, insbesondere bei zu rascher intravenöser Injektion
Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie
Sehstörungen einschließlich Störungen des Farbensehens
Krampfanfälle, insbesondere bei hohen Dosen oder Fehlapplikation
Arterielle und venöse thrombotische Ereignisse
Selten berichtete akute Nierenrindennekrose
- Pharmakodynamik
Die kompetitive Bindung an Plasminogen verhindert dessen wirksame Interaktion mit Fibrin und reduziert die Fibrinolyse. Das Risiko postoperativer Krampfanfälle steigt insbesondere bei hohen intravenösen Dosen in der Herzchirurgie.
- Pharmakokinetik
Nach intravenöser Gabe werden rasch hohe Plasmakonzentrationen erreicht. Die Plasmaeiweißbindung beträgt etwa 3 % und beruht überwiegend auf der Bindung an Plasminogen. Das initiale Verteilungsvolumen liegt bei etwa 9–12 L. Tranexamsäure wird vorwiegend unverändert durch glomeruläre Filtration renal eliminiert; die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 3 h. Nach intravenöser Gabe von 10 mg / kg KG werden etwa 90 % innerhalb von 24 h renal ausgeschieden. Bei Niereninsuffizienz können die Plasmakonzentrationen deutlich ansteigen.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Tranexamsäure ist plazentagängig. Bei geburtshilflichen Blutungen ist die klinische Notwendigkeit gegen mögliche fetale Risiken abzuwägen. Die Substanz geht in die Muttermilch über; die Daten zu Auswirkungen auf gestillte Kinder sind begrenzt. Über eine Anwendung während der Stillzeit ist daher individuell unter Berücksichtigung des mütterlichen Behandlungsbedarfs zu entscheiden.
- Anwendungshinweise
Gefahr
Ausschließlich intravenöse Anwendung Tranexamsäure darf nicht intrathekal, epidural, intraventrikulär, intrazerebral oder intramuskulär verabreicht werden. Versehentliche neuraxiale Applikation kann schwere Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und den Tod verursachen. Spritzen sind eindeutig als nur intravenös zu kennzeichnen und von neuraxial anzuwendenden Arzneimitteln getrennt zu halten.
Die österreichische Fachinformation begrenzt die Injektionsgeschwindigkeit auf 1 mL / min, entsprechend 100 mg / min bei 100 mg / mL.
Bei Traumapatienten wird die initiale Gabe von 1.000 mg über 10 min damit vereinbar durchgeführt.
Bei Hämaturie aus dem oberen Harntrakt auf mögliche Obstruktion durch Blutkoagel achten.
Bei langfristiger Behandlung sind bei entsprechender Indikation augenärztliche Kontrollen einschließlich Farbensehen erforderlich.
Nicht mit Transfusionsblut oder penicillinhaltigen Injektionslösungen mischen.
Bei ausgeprägtem Thromboserisiko oder disseminierter intravasaler Koagulopathie ist eine besonders strenge Indikationsstellung erforderlich.
- Wechselwirkungen
Antikoagulanzien: Eine gleichzeitige Anwendung erfordert engmaschige fachärztliche Überwachung.
Thrombolytika: Können die antifibrinolytische Wirkung antagonisieren.
Hormonelle Kontrazeptiva: Bei gleichzeitiger Anwendung ist das erhöhte thrombotische Risiko zu berücksichtigen.
Weitere die Hämostase beeinflussende Arzneimittel: Nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam anwenden.
Serumkreatinin |
Serumkreatinin |
Intravenöse Dosierung |
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120–249 µmol / L |
1,35–2,82 mg / dL |
10 mg / kg KG alle 12 h |
250–500 µmol / L |
2,82–5,65 mg / dL |
10 mg / kg KG alle 24 h |
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5 mg / kg KG alle 24 h |