15.8.26. Methyldigoxin#
- Spezialitäten
Lanitop™ 0,2 mg-Ampullen (2 mL; 0,1 mg / mL)
- Beschreibung
Methyldigoxin (Metildigoxin, β-Methyldigoxin) ist ein mittellang wirksames Digitalisglykosid mit geringer therapeutischer Breite. Es ist pharmakologisch von Digoxin zu unterscheiden; Dosierungsschemata dürfen nicht ohne Prüfung übertragen werden.
- Wirkung
Positive Inotropie mit Zunahme des Schlagvolumens und des Herzzeitvolumens (HZV, CO)
Negative Chronotropie durch verstärkten vagalen Einfluss
Negative Dromotropie mit verlangsamter atrioventrikulärer Überleitung
Positive Bathmotropie mit erhöhtem Risiko ektoper Erregungsbildung
- Indikationen
Manifeste chronische Herzinsuffizienz bei systolischer Dysfunktion
Tachyarrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern
Paroxysmales Vorhofflimmern oder Vorhofflattern in Kombination mit anderen frequenzregulierenden Arzneimitteln
- Kontraindikationen
Digitalisintoxikation
Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder Hyperkalzämie
Schwere Bradykardie, AV-Block II. oder III. Grades beziehungsweise Sinusknotenerkrankung ohne Schrittmacher
Ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern
Wolff-Parkinson-White-Syndrom
Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie
Thorakales Aortenaneurysma oder Karotissinussyndrom
Geplante elektrische Kardioversion
Gleichzeitige intravenöse Calciumtherapie
- Dosierung
Erwachsene, langsame Aufsättigung beziehungsweise Erhaltung: Durchschnittlich 0,150 mg i. v. täglich Bei niedrigem Bedarf 0,050–0,100 mg täglich, bei erhöhtem Bedarf fallweise 0,200–0,300 mg täglich
Erwachsene, mittelschnelle Aufsättigung: 0,400 mg / Tag i. v. über 3–5 Tage, aufgeteilt auf zwei Gaben
Erwachsene, schnelle Aufsättigung: 0,600 mg / Tag i. v. über 2–4 Tage, aufgeteilt auf drei Gaben
Niereninsuffizienz: Erhaltungsdosis abhängig von der Kreatinin-Clearance reduzieren
Kinder und Säuglinge: Gewichts- und altersabhängige Aufsättigung und Erhaltung gemäß pädiatrischer Dosierungstabelle der Fachinformation Die Vollsättigung erfolgt üblicherweise über 3 Tage; die Tagesdosis wird auf 2–3 Gaben verteilt Eine Schnelldigitalisierung bei Säuglingen nur in Notfällen und unter engmaschiger Spiegelkontrolle
Kreatinin-Clearance |
Erhaltungsdosis |
|---|---|
|
Normale Erhaltungsdosis |
|
1/2 der Erhaltungsdosis |
|
1/3 der Erhaltungsdosis |
≤ 30 mL / min |
1/4 der Erhaltungsdosis |
- Nebenwirkungen
Bradykardie, AV-Block, supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien bis zu Kammerflimmern
Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und abdominelle Beschwerden
Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit, Delir und Halluzinationen
Sehstörungen, insbesondere Farbsehstörungen
Selten Thrombozytopenie und Gynäkomastie
- Pharmakodynamik
Hemmung der membranständigen Na⁺/K⁺-ATPase erhöht indirekt die intrazelluläre Calciumverfügbarkeit im Myokard und damit die Kontraktilität. Der vagotone Effekt verlangsamt die Erregungsleitung am AV-Knoten. Die gesteigerte Erregbarkeit des Myokards erklärt einen wesentlichen Teil des proarrhythmischen Potenzials.
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt nach intravenöser Gabe: 1–5 min
Proteinbindung: Etwa 20–30 %
Eliminationshalbwertszeit: Etwa 47,5 h; bei Nierenfunktionsstörung verlängert
Metabolismus: Teilweise hepatische Demethylierung zu pharmakologisch aktivem Digoxin
Ausscheidung: Etwa 60 % renal und 30 % über den Stuhl
Dialysierbarkeit: Nur gering
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Plazentagängig; nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung Glykosidbedarf kann gegen Ende der Schwangerschaft steigen und postpartal wieder sinken. Bei Überdosierung sind fetale Intoxikationszeichen möglich.
Stillperiode: Übergang in die Muttermilch; keine absolute Kontraindikation Anwendung nur bei zwingender Indikation unter ärztlicher Kontrolle; Herzfrequenz des Säuglings beobachten
- Anwendungshinweise
Langsame intravenöse Injektion am liegenden Patienten
Nach der Injektion etwa 30 min beobachten
Kontinuierliche oder engmaschige EKG-Überwachung bei Aufsättigung und akuter Behandlung
Vorbehandlung mit Herzglykosiden, Nierenfunktion, Alter und Schilddrüsenfunktion berücksichtigen
Serumkonzentration, Kalium, Magnesium, Calcium und Nierenfunktion kontrollieren
Keine Mischung mit anderen Injektionslösungen wegen möglicher Inkompatibilität
Intramuskuläre Anwendung wegen Schmerzen vermeiden
Bei schwerer Digitalisintoxikation Behandlung mit digitalisbindenden Antikörperfragmenten erwägen
Gefahr
Wegen der geringen therapeutischen Breite können bereits geringe Dosissteigerungen oder Elektrolytverschiebungen eine lebensbedrohliche Digitalisintoxikation auslösen. Hypokaliämie und eingeschränkte Nierenfunktion erhöhen das Risiko besonders deutlich. Bei neu auftretenden Arrhythmien unter Digitalistherapie immer an eine Intoxikation denken.
- Wechselwirkungen
Kaliumsenkende Diuretika, Glukokortikoide und Amphotericin B: Erhöhte Glykosidtoxizität durch Hypokaliämie
Amiodaron, Chinidin, Verapamil, Diltiazem und Makrolidantibiotika: Mögliche Erhöhung der Glykosidkonzentration
β-Rezeptorblocker und andere negativ dromotrope Arzneimittel: Erhöhtes Risiko für Bradykardie und AV-Block
Calciumpräparate: Verstärkung der kardialen Toxizität; gleichzeitige intravenöse Gabe kontraindiziert
Rifampicin, Phenytoin, Phenobarbital und Johanniskraut: Mögliche Wirkungsabschwächung
Spironolacton: Variable Interaktion und mögliche Beeinflussung der Interpretation von Glykosidspiegeln
Siehe auch
Antiarrhythmika