15.8.46. Theophyllin#
- Spezialitäten, Markennamen
Theospirex™-Ampullen, 200 mg / 10 mL (20 mg / mL). Orale Retardpräparate sind gesondert zu dosieren.
- Beschreibung
Theophyllin ist ein bronchodilatatorisch wirksames Methylxanthin mit enger therapeutischer Breite und ausgeprägter interindividueller Variabilität der Clearance. Die parenterale Anwendung setzt engmaschige klinische Überwachung und möglichst therapeutisches Drug-Monitoring voraus.
- Wirkung
Relaxation der glatten Bronchialmuskulatur
Stimulation des Atemzentrums und Unterstützung der Zwerchfellkontraktilität
Positive chronotrope und inotrope Effekte sowie leichte Diurese
Zentralnervöse Stimulation
- Indikationen
Akutbehandlung bronchokonstriktiver Atemnotzustände bei Asthma bronchiale und anderen obstruktiven Atemwegserkrankungen
Sinusknotendysfunktion mit klinisch relevanter Bradykardie nach Herztransplantation, insbesondere zur vorübergehenden Frequenzsteigerung und gegebenenfalls zur Vermeidung einer permanenten Schrittmacherimplantation
- Kontraindikationen
Überempfindlichkeit gegen Theophyllin, andere Xanthine oder Hilfsstoffe
Akuter Myokardinfarkt
Schock oder Kollaps
Akute tachykarde Herzrhythmusstörungen
Kinder unter sechs Monaten (Theospirex™-Ampullen)
- Dosierung
Die nachstehenden Dosen beziehen sich auf wasserfreies Theophyllin und die intravenöse Anwendung der Theospirex™-Ampullen. Die Initialdosis wird vorzugsweise als Kurzinfusion über 20–30 min verabreicht. Bei Adipositas ist das Normalgewicht als Berechnungsgrundlage heranzuziehen. Die Dosierung muss nach Serumkonzentration, klinischem Ansprechen, Vortherapie und individueller Clearance angepasst werden.
Initialdosis ohne vorausgegangene Theophyllingabe: 4–5 mg / kg über 20–30 min
Initialdosis bei Theophyllinvorbehandlung innerhalb von 12–24 h: reduziert auf 2–2,5 mg / kg, abhängig von Vorbehandlung und Serumspiegel
Therapeutischer Serumzielbereich: 8–12 mg / L; 20 mg / L nicht überschreiten
Die folgende Erhaltungsdosierung gibt die präparatespezifischen Richtwerte wieder und ersetzt keine spiegelgesteuerte Anpassung.
Patientengruppe |
Erste 12 h (mg / kg / h) |
Ab Stunde 13 (mg / kg / h) |
|---|---|---|
Erwachsene Nichtraucher |
0,55 |
0,40 |
Erwachsene Raucher |
0,80 |
0,64 |
Kinder 6 Monate bis unter 9 Jahre |
1,00 |
0,80 |
Kinder ab 9 Jahren und Jugendliche |
0,80 |
0,64 |
Herzinsuffizienz, Leberfunktionsstörung, akutes Lungenödem, Cor pulmonale, akute fieberhafte Erkrankungen und häufig ältere Patienten |
0,50 |
0,25 |
Schwere Leberfunktionsstörung oder obstruktive Kardiomyopathie |
0,40 |
0,09–0,16 |
- Nebenwirkungen
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, gastroösophagealer Reflux
Unruhe, Schlafstörungen, Tremor, Kopfschmerzen, Krampfanfälle
Tachykardie, Extrasystolen und ventrikuläre Arrhythmien
Hypokaliämie, Hyperglykämie und vermehrte Diurese
Hypotonie, insbesondere bei zu rascher intravenöser Gabe
Selten Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie
- Pharmakodynamik
Die Bronchodilatation beruht unter anderem auf Adenosinrezeptor-Antagonismus und Phosphodiesterasehemmung; die klinische Bedeutung einzelner Mechanismen ist konzentrationsabhängig und nicht vollständig geklärt. Bereits geringe Dosiserhöhungen können wegen sättigbarer Clearance überproportionale Serumspiegelanstiege verursachen.
- Pharmakokinetik
Die Plasmaproteinbindung beträgt im therapeutischen Bereich ungefähr 60 %. Theophyllin passiert die Blut-Hirn-Schranke und Plazenta und verteilt sich kaum in Fettgewebe. Die Elimination erfolgt überwiegend durch hepatischen Metabolismus, unter Beteiligung von CYP1A2; TheophyllinCYP1A2. Die Halbwertszeit beträgt bei erwachsenen Nichtrauchern im Mittel 7–9 h, bei Rauchern 4–5 h und bei Kindern ab etwa sechs Monaten 3–5 h; bei schweren Begleiterkrankungen kann sie über 24 h liegen. Bei höhergradiger Niereninsuffizienz können Metaboliten kumulieren.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Im ersten Trimenon soll die Anwendung mangels ausreichender Erfahrung vermieden werden. Im zweiten und dritten Trimenon ist eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Theophyllin passiert die Plazenta; gegen Ende der Schwangerschaft sind Wehenhemmung und Wirkungen beim Neugeborenen möglich. Theophyllin geht in die Muttermilch über. Die Dosis ist während der Stillzeit möglichst niedrig zu halten, das Stillen möglichst unmittelbar vor der Arzneimittelgabe vorzunehmen und der Säugling zu überwachen; bei erforderlichen hohen therapeutischen Dosen ist laut Fachinformation abzustillen.
- Anwendungshinweise
Gefahr
Zu rasche intravenöse Gabe Die intravenöse Injektion ist Notfällen vorbehalten und muss über mindestens 10 min erfolgen. Eine Rate von 25 mg / min darf nicht überschritten werden. Nach zu rascher Injektion wurden Todesfälle beschrieben. Eine Kurzinfusion über 20–30 min ist vorzuziehen.
Vor der Initialdosis muss eine vorausgegangene Einnahme von Theophyllin oder anderen Methylxanthinen, einschließlich Retardpräparaten, erfragt werden. Serumspiegel, EKG, Herzfrequenz, Blutdruck und Elektrolyte sind entsprechend dem klinischen Risiko zu kontrollieren. Bei Fieber, Leber- oder Herzinsuffizienz, höherem Lebensalter und nach Rauchstopp kann die Clearance deutlich sinken. Bei Intoxikation sind schwere Arrhythmien und Krampfanfälle möglich; wiederholte Aktivkohlegabe und bei schweren Verläufen extrakorporale Elimination sind zu erwägen.
- Wechselwirkungen
Spiegelerhöhung: insbesondere Ciprofloxacin, Enoxacin, Makrolide wie Erythromycin und Clarithromycin, Fluvoxamin, Cimetidin und weitere CYP1A2-hemmende Substanzen
Spiegelsenkung: Rauchen, Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Barbiturate und Johanniskraut
Additive Effekte: β₂-Sympathomimetika, Koffein und andere Methylxanthine verstärken sympathomimetische beziehungsweise stimulierende Wirkungen
Wirkungsabschwächung anderer Arzneimittel: unter anderem Adenosin, Benzodiazepine und Lithium
Krampfrisiko: erhöht bei Kombination mit Bupropion und einzelnen Antibiotika
Anästhesie: Halothan kann das Risiko schwerer Herzrhythmusstörungen erhöhen