15.8.1. Acetazolamid#
- Spezialitäten, Markennamen
Diamox™ 250 mg Tabletten; 500 mg Injektionspräparat (Verfügbarkeit und Fachinformation gesondert prüfen)
Acetazolamid ist ein Carboanhydrasehemmer aus der Gruppe der Sulfonamide. Es vermindert die tubuläre Rückresorption von Hydrogencarbonat und fördert die Ausscheidung von HCO₃⁻, Natrium, Kalium und Wasser.
- Wirkung
Diurese und Natriurese
Verminderung des Augeninnendrucks
Verminderung der Liquorproduktion
Antikonvulsive Wirkung
Förderung einer metabolischen Azidose
- Indikationen
Glaukom und intraokuläre Hypertension
Ödeme bzw. Flüssigkeitsretention, auch in Kombination mit anderen Diuretika
Akute dekompensierte Herzinsuffizienz[1] 🗎 Mullens 2022
Epilepsie als Zusatztherapie
Höhenkrankheit (Zulassungsstatus präparatespezifisch prüfen)
Idiopathische intrakranielle Hypertension (Zulassungsstatus präparatespezifisch prüfen)
- Kontraindikationen
Hyperchlorämische Azidose
Hypokaliämie, Hyponatriämie
Nebennierenrindeninsuffizienz
Schwere Niereninsuffizienz
Schwere Lebererkrankung, insbesondere Leberzirrhose (hepatische Enzephalopathie)
Sulfonamid-Überempfindlichkeit
Langzeitbehandlung bei chronischem nicht-kongestivem Engwinkelglaukom
- Dosierung
Akutes Glaukom: Initial 500 mg p.o., danach 125—250 mg alle 4 h. Alternativ initial 500 mg i.v., danach oral.
Glaukom, Langzeitbehandlung: 125—750 mg / d in geteilten Dosen; Titration nach Augeninnendruck.
Ödeme: 250 mg morgens für 2—3 d. Intermittierende Gabe (z. B. nach 2 Behandlungstagen 1 d Pause oder jeden zweiten Tag). Höhere Dosen steigern die Diurese nicht zuverlässig.
Epilepsie: 8—30 mg / kg / d in geteilten Dosen, meist 375—1000 mg / d.
Erwachsene, allgemein: 250—1000 mg / d in geteilten Dosen.
Kinder bis 12 Jahre: 8—30 mg / kg / d in geteilten Dosen; max. 750 mg / d
Ab 12 Jahren: 250 mg 2—4-mal täglich
Niereninsuffizienz: Bei schwerer Nierenfunktionsstörung kontraindiziert.
Leberinsuffizienz: Bei schwerer Lebererkrankung kontraindiziert.
Geriatrische Patienten: Vorsicht bei Elektrolytstörungen, Harnabflussstörungen und eingeschränkter Organfunktion.
- Nebenwirkungen
Metabolische Azidose, Hypokaliämie, Hyponatriämie
Parästhesien, Fatigue, Schwindel, depressive Verstimmung
Geschmacksstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Diarrhoe
Nierensteine
Anaphylaxie und schwere Hautreaktionen einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom
Nach hoher i.v. Dosis möglicher initialer Blutdruckabfall
Bei Hydrozephalus nach i.v. Gabe vorübergehende Hirndruckerhöhung[2]
- Pharmakodynamik
Wirkmechanismus: Reversible Hemmung der Carboanhydrase.
Niere: Verminderte HCO₃⁻-Rückresorption im proximalen Tubulus.
Auge: Verminderte Kammerwasserproduktion.
ZNS: Verminderte Liquorproduktion und antikonvulsive Wirkung.
- Pharmakokinetik
Elimination: keine Metabolisierung, Ausscheidung unverändert renal.
HWZ etwa 4–8 h
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Fachinformation beachten.
Stillperiode: Fachinformation beachten.
- Wechselwirkungen
Andere Diuretika: verstärkte Diurese und Elektrolytverluste.
Kaliumverluste können die Toxizität von Herzglykosiden erhöhen.
Salicylate
Metformin
Lithium
Phenytoin
Topiramat