15.8.28. Metoprolol#
- Spezialitäten
Beloc™ (Metoprololtartrat, unter anderem 50-mg-Tabletten und 5-mg-Ampullen)
Seloken retard™ (Metoprololsuccinat, Retardtabletten)
- Beschreibung
Kardioselektiver β₁-Adrenozeptorantagonist ohne intrinsische sympathomimetische Aktivität. Die β₁-Selektivität ist dosisabhängig und bei höheren Dosierungen weniger ausgeprägt.
- Wirkung
Negative Chronotropie, Dromotropie und Inotropie
Senkung des myokardialen Sauerstoffbedarfs
Verlangsamung der atrioventrikulären Überleitung
Blutdrucksenkung, unter anderem durch Verminderung des Herzzeitvolumens und der Reninfreisetzung
- Indikationen
Intravenös:
Akute tachykarde Herzrhythmusstörungen, insbesondere zur Frequenzkontrolle bei geeigneten supraventrikulären Tachyarrhythmien
Akutbehandlung des Myokardinfarkts bei sorgfältig ausgewählten hämodynamisch stabilen Patienten
Oral:
Arterielle Hypertonie
Chronisch stabile Angina pectoris
Tachykarde Herzrhythmusstörungen
Sekundärprävention nach Myokardinfarkt
Migräneprophylaxe
Chronische stabile Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion unter Verwendung einer hierfür zugelassenen retardierten Metoprololsuccinat-Zubereitung
- Kontraindikationen
Ausgeprägte Sinusbradykardie
AV-Block zweiten oder dritten Grades ohne funktionsfähigen Schrittmacher
Sick-Sinus-Syndrom ohne Schrittmacher
Kardiogener Schock
Akute dekompensierte Herzinsuffizienz beziehungsweise klinisch relevante instabile Herzinsuffizienz
Schwere arterielle Hypotonie
Schwere periphere arterielle Durchblutungsstörungen
Schweres Asthma bronchiale beziehungsweise schwere bronchospastische Erkrankung
Unbehandeltes Phäochromozytom ohne vorausgehende α-Rezeptorblockade
Gleichzeitige intravenöse Gabe von Verapamil oder Diltiazem beziehungsweise bestimmten anderen negativ dromotropen Antiarrhythmika außerhalb besonderer intensivmedizinischer Überwachungssituationen
- Dosierung
Tachykarde Herzrhythmusstörungen, Erwachsene, i. v.: Initial bis zu 5 mg Metoprololtartrat langsam i. v. mit 1–2 mg / min Bei unzureichender Wirkung Wiederholung nach 5–10 min bis zu einer Gesamtdosis von 10–15 mg
Akuter Myokardinfarkt, geeignete stabile Erwachsene, i. v.: Initial 5 mg langsam i. v. Bei guter Verträglichkeit zweimalige Wiederholung von jeweils 5 mg in Abständen von 2 min, Gesamtdosis höchstens 15 mg Eine anschließende orale Therapie richtet sich nach Verträglichkeit und Fachinformation
Arterielle Hypertonie, Erwachsene, oral: Metoprololtartrat üblicherweise 50–100 mg zweimal täglich, individuell titrieren Bei Retardpräparaten Dosierung und Dosierungsintervall nach der jeweiligen Fachinformation
Chronisch stabile Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, oral: Ausschließlich bei klinisch stabilen Patienten und mit dafür zugelassener Metoprololsuccinat-Retardformulierung Niedrige Anfangsdosis mit schrittweiser Steigerung im Abstand von üblicherweise mindestens 2 Wochen entsprechend Verträglichkeit und Fachinformation
Pädiatrische Anwendung: Keine generelle intravenöse Standarddosierung für die Akuttherapie ableitbar; indikationsbezogene pädiatrische Spezialempfehlungen erforderlich
Warnung
Metoprolol darf bei hämodynamisch instabilen Tachyarrhythmien, kardiogenem Schock oder akuter dekompensierter Herzinsuffizienz nicht unkritisch zur Frequenzsenkung eingesetzt werden. Bei Verdacht auf akuten Myokardinfarkt ist die intravenöse Anwendung insbesondere bei Herzfrequenz unter 45 /min, PQ-Intervall über 0,24 s oder systolischem Blutdruck unter 100 mm Hg kontraindiziert.
- Nebenwirkungen
Bradykardie, AV-Überleitungsstörungen
Hypotonie, orthostatische Beschwerden, Schwindel und Müdigkeit
Verschlechterung einer Herzinsuffizienz bei inadäquater Einleitung oder Dosiserhöhung
Bronchospasmus, insbesondere bei prädisponierten Patienten
Kalte Extremitäten, Verstärkung peripherer Durchblutungsstörungen
Schlafstörungen, gelegentlich depressive Verstimmung
Maskierung adrenerger Warnzeichen einer Hypoglykämie, insbesondere Tachykardie
- Pharmakodynamik
Die Blockade kardialer β₁-Rezeptoren reduziert die sympathisch vermittelte Steigerung von Herzfrequenz, Kontraktilität und AV-Überleitung. Unter höheren Dosierungen kann auch eine klinisch relevante β₂-Rezeptorblockade auftreten.
- Pharmakokinetik
Orale Bioverfügbarkeit: Durch ausgeprägten First-Pass-Metabolismus begrenzt; dosis- und patientenabhängig
Eliminationshalbwertszeit: Im Mittel etwa 3,5 h, mit deutlicher interindividueller Streuung
Metabolismus: CYP2D6; Metoprolol Überwiegend hepatisch durch CYP2D6; genetisch langsame Metabolisierer können erhöhte Wirkstoffspiegel aufweisen
Ausscheidung: Überwiegend renal als Metaboliten; nur ein geringer Anteil unverändert
Leberfunktionsstörung: Bei schwerer Einschränkung kann eine Dosisreduktion erforderlich sein
Nierenfunktionsstörung: In der Regel keine Dosisanpassung erforderlich
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Nur bei eindeutiger Indikation und nach Nutzen-Risiko-Abwägung Mögliche fetale Wachstumsbeeinträchtigung sowie fetale und neonatale Bradykardie beziehungsweise Hypoglykämie berücksichtigen
Stillperiode: Metoprolol geht in die Muttermilch über Säugling insbesondere bei hohen maternalen Dosen auf Bradykardie und weitere Zeichen einer β-Blockade beobachten
- Anwendungshinweise
Intravenöse Anwendung langsam unter kontinuierlicher EKG- und Blutdrucküberwachung
Bei behandlungsbedürftiger Bradykardie, Hypotonie oder Überleitungsstörung intravenöse Gabe sofort beenden
Bei Asthma oder COPD Risiko einer Bronchokonstriktion berücksichtigen
Bei Diabetes mellitus mögliche Maskierung einer Hypoglykämie beachten
Eine längerfristige Therapie wegen des Risikos von Rebound-Tachykardie, Angina pectoris und Myokardinfarkt nicht abrupt beenden
Metoprololtartrat und Metoprololsuccinat sowie nichtretardierte und retardierte Darreichungsformen nicht schematisch gleichsetzen
- Wechselwirkungen
Verapamil, Diltiazem und weitere negativ dromotrope Antiarrhythmika: Erhöhtes Risiko für Bradykardie, AV-Block und kardiale Dekompensation
Digoxin: Verstärkte AV-Überleitungsverzögerung
Clonidin: Beim Absetzen einer Kombination Gefahr einer ausgeprägten Rebound-Hypertonie; Reihenfolge des Ausschleichens beachten
CYP2D6-Hemmer, beispielsweise Paroxetin, Fluoxetin und Bupropion: CYP2D6; Metoprolol Erhöhung der Metoprolol-Exposition und verstärkte β-Blockade möglich
Andere Antihypertensiva und Anästhetika: Verstärkung der hypotensiven und gegebenenfalls negativ inotropen Wirkung
Siehe auch
Antiarrhythmika