15.8.19. Glycopyrronium#
- Spezialitäten
Robinul™ 0,2 mg-Ampullen
- Darreichungsformen
Injektionslösung mit 0,200 mg Glycopyrroniumbromid pro 1 mL
- Beschreibung
Synthetisches, peripher wirksames Antimuskarinikum aus der Gruppe der quartären Ammoniumverbindungen. Glycopyrronium wird auch als Glycopyrrolat bezeichnet.
- Wirkung
Hemmung der Speichel-, Tracheal-, Bronchial-, Pharyngeal- und Schweißsekretion
Abschwächung vagal vermittelter Bradykardien mit möglicher Steigerung der Herzfrequenz
Reduktion muskarinerger Nebenwirkungen von Neostigmin und Pyridostigmin
Verminderung der gastrointestinalen Motilität und der Magensäuresekretion
Mydriasis und Akkommodationsstörungen
Geringere zentrale anticholinerge Wirkung als Atropin
- Indikationen
Narkoseprämedikation zur Verminderung von Sekretionen und Magensäureproduktion
Verhütung oder Abschwächung prä- und intraoperativer Bradykardien durch vagale Reflexe oder Suxamethonium
Vermeidung muskarinerger Nebenwirkungen bei Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien mit Neostigmin oder Pyridostigmin
- Kontraindikationen
Engwinkelglaukom
Asthma bronchiale
Tachykardie oder Tachyarrhythmie
Myasthenia gravis
Mechanische Stenosen des Gastrointestinaltrakts, intestinale Atonie oder paralytischer Ileus
Colitis ulcerosa oder Megakolon
Obstruktive Uropathie mit Harnverhalt
Instabiler Kreislauf bei schwerem Blutverlust
- Dosierung
Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien, Erwachsene: 0,200 mg i. v. je 1,000 mg Neostigmin oder je 5,000 mg Pyridostigmin Alternativ 0,010–0,015 mg / kg i. v. zusammen mit 0,050 mg / kg Neostigmin oder 0,250 mg / kg Pyridostigmin
Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien, Kinder und Jugendliche: 0,010 mg / kg i. v. zusammen mit 0,050 mg / kg Neostigmin oder 0,250 mg / kg Pyridostigmin
Narkoseprämedikation, Erwachsene: 0,200–0,400 mg i. m. beziehungsweise 0,004–0,005 mg / kg i. m., 30–60 min vor Narkoseinduktion Maximal 0,400 mg
Narkoseprämedikation, Kinder und Jugendliche: 0,004–0,008 mg / kg i. m., maximal 0,200 mg
Intraoperative Bradykardie, Erwachsene: 0,100 mg i. v., bei Bedarf alle 2–3 min wiederholen Maximal 0,400 mg insgesamt
Intraoperative Bradykardie, Kinder und Jugendliche: 0,004 mg / kg i. v., maximal 0,100 mg pro Einzelgabe Bei Bedarf nach 2–3 min wiederholen
Nierenfunktionsstörung: Vorsichtige Titration; bei Nierenversagen kann eine Dosisanpassung erforderlich sein
- Nebenwirkungen
Mundtrockenheit und verminderte Schweißsekretion
Tachykardie, Palpitationen und Herzrhythmusstörungen
Mydriasis, verschwommenes Sehen und Akkommodationsstörungen
Obstipation, verzögerte Miktion und Harnverhalt
Hyperthermie bis zum Hitzekollaps, besonders bei Kindern
Verminderte Milchbildung
Selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
Gelegentlich Verwirrtheit oder Erregung, insbesondere bei älteren Patienten
- Pharmakodynamik
Kompetitive Hemmung der Acetylcholinwirkung an peripheren muskarinischen Rezeptoren, unter anderem in exokrinen Drüsen, glatter Muskulatur sowie Sinus- und AV-Knoten. Die quartäre Ammoniumstruktur begrenzt die Passage der Blut-Hirn-Schranke und der Plazenta. Nikotinische Acetylcholinrezeptoren werden in üblichen Dosierungen kaum beeinflusst.
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt: Nach i. v.-Gabe im Allgemeinen innerhalb von 1 min; nach i. m.-Gabe nach 15–30 min
Wirkungsmaximum nach i. m.-Gabe: Nach etwa 30–45 min
Wirkdauer: Hemmung vagaler Reflexe etwa 2–3 h, Sekretionshemmung bis zu 7 h
Verteilung: Geringe Passage der Blut-Hirn-Schranke und der Plazenta
Metabolismus: Nur geringer Anteil zu Metaboliten umgesetzt
Ausscheidung: Überwiegend unverändert renal und biliär
Niereninsuffizienz: Verzögerte Elimination möglich
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Anwendung nur bei zwingender Indikation aufgrund begrenzter klinischer Erfahrungen. Nach intramuskulärer Anwendung bei Gebärenden wurden niedrige Konzentrationen im Nabelschnurblut und in der Amnionflüssigkeit gemessen.
Stillperiode: Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung, da der Übergang in die Muttermilch nicht bekannt ist. Eine Verringerung der Milchbildung ist möglich.
- Anwendungshinweise
Nur i. v. oder i. m. verabreichen
Bei intravenöser Anwendung in der Prämedikation angemessene Überwachung sicherstellen
Bei Kombination mit Neostigmin oder Pyridostigmin gemeinsame Injektion gemäß Fachinformation möglich
Vorsicht bei koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Hypertonie und Hyperthyreose
Besondere Vorsicht bei Säuglingen und Kindern wegen erhöhter Empfindlichkeit gegenüber anticholinergen Nebenwirkungen
Bei hohen Umgebungstemperaturen auf eingeschränkte Wärmeabgabe durch verminderte Schweißsekretion achten
Bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosis und Wirkung engmaschig beurteilen
Nicht mit alkalischen Lösungen mischen; die Stabilität nimmt bei pH-Werten ab 6 ab
Inkompatibilität unter anderem mit Diazepam, Natriumcarbonat und Dexamethason-dinatriumphosphat beachten
- Wechselwirkungen
Andere Anticholinergika und Arzneimittel mit antimuskarinerger Wirkung: Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen, unter anderem bei trizyklischen Antidepressiva, Amantadin, Antihistaminika und Phenothiazinen
Metoclopramid und Domperidon: Gegenseitige Abschwächung der Wirkungen auf die gastrointestinale Motilität
Langsam freisetzende Digoxin-Tabletten: Erhöhung der Digoxin-Serumkonzentration möglich
Kortikosteroide: Erhöhung des Augeninnendrucks möglich
Warnung
Eine anticholinerge Hemmung der Schweißsekretion kann insbesondere bei Säuglingen und Kindern unter Hitzeexposition zu gefährlicher Hyperthermie führen.
Siehe auch
Antiarrhythmika