Methylprednisolon

15.8.27. Methylprednisolon#

Spezialitäten
  • Urbason solubile™

  • Solu-Medrol™

Beschreibung

Synthetisches, systemisch wirksames Glukokortikoid mit geringer mineralokortikoider Wirkung. Die intravenösen Zubereitungen enthalten wasserlösliche Ester, aus denen Methylprednisolon freigesetzt wird.

Wirkung
  • Antiinflammatorisch und antiexsudativ

  • Immunsuppressiv und antiallergisch

  • Verminderung entzündlicher Schleimhautschwellungen

  • Verstärkung der Wirkung inhalativer β₂-Sympathomimetika bei entzündlicher Bronchialobstruktion

  • Keine unmittelbare bronchodilatatorische oder kreislaufstabilisierende Wirkung bei Anaphylaxie

Indikationen
  • Schwerer Status asthmaticus als Zusatz zur bronchodilatatorischen Behandlung

  • Schwere entzündliche oder immunologische Krisen, einschließlich Transplantatabstoßung

  • Akute Schübe der Multiplen Sklerose

  • Ausgewählte Formen eines Hirnödems, abhängig von dessen Ursache

  • Weitere akute Erkrankungen mit Indikation zur systemischen Glukokortikoidtherapie

Kontraindikationen
  • Bei kurzfristiger Anwendung aus vitaler Indikation sind Gegenanzeigen im Kontext des akuten Behandlungsbedarfs zu beurteilen

  • Systemische, nicht adäquat behandelte Infektionen, insbesondere invasive Pilzinfektionen, als wesentliche Risikokonstellation

  • Lebendimpfstoffe bei immunsuppressiver Dosierung

  • Traumatisches Schädel-Hirn-Trauma: keine Indikation zur hochdosierten Kortikosteroidtherapie; mögliche Erhöhung der Mortalität

Dosierung
  • Akut lebensbedrohliche Zustände: Initial 250–1.000 mg i. v., abhängig von Indikation und Schweregrad

    • Kinder und Jugendliche: Initial 4–20 mg / kg i. v., indikationsabhängig

  • Schwerer Status asthmaticus, Erwachsene: 250–500 mg i. v. zusätzlich zur Basistherapie gem. Fachinformation, jedoch haben hohe Dosen keinen Zusatznutzen, empfohlen 1–2 mg / kg

  • Akuter Schub einer Multiplen Sklerose: 500–1.000 mg i. v. täglich über 3–5 Tage

  • Akute Transplantatabstoßung: Bis zu 30 mg / kg i. v. als Einzeldosis im Rahmen eines spezialisierten Behandlungsschemas

  • Traumatische Rückenmarkverletzung, historisches NASCIS-Schema: 30 mg / kg i. v. über 15 min, anschließend nach einer Pause von 45 min 5,4 mg / kg / h über 23 h; in NASCIS III auch eine Verlängerung auf 47 h untersucht Dieses Schema ist keine routinemäßig empfohlene Behandlung der akuten traumatischen Rückenmarkverletzung

Warnung

Die routinemäßige hochdosierte Methylprednisolontherapie nach traumatischer Rückenmarkverletzung wird in aktuellen deutschsprachigen Leitlinien nicht empfohlen. Die historische NASCIS-Behandlung hat keinen gesicherten klinisch relevanten Nutzen und kann schwere Komplikationen begünstigen. Eine ältere internationale Leitlinie nennt eine 24-stündige Therapie bei ausgewählten Erwachsenen innerhalb von 8 h als mögliche Option; eine 48-stündige Infusion wird auch dort nicht empfohlen. Bei gleichzeitigem Schädel-Hirn-Trauma ist besondere Zurückhaltung geboten.

Nebenwirkungen
  • Hyperglykämie und Verschlechterung eines Diabetes mellitus

  • Erhöhtes Infektionsrisiko und Maskierung von Infektionszeichen

  • Psychische Veränderungen, Delir, Schlafstörungen und Steroidpsychose

  • Gastrointestinale Ulzera und Blutungen

  • Hypokaliämie, Flüssigkeitsretention und Hypertonie

  • Myopathie, insbesondere bei gleichzeitiger Gabe neuromuskulärer Blocker

  • Bradykardie und Rhythmusstörungen nach hochdosierter intravenöser Gabe

  • Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei längerer Behandlung

  • Sklerodermale Nierenkrise bei prädisponierten Patienten

Pharmakodynamik

Methylprednisolon bindet an intrazelluläre Glukokortikoidrezeptoren und verändert die Transkription entzündungsrelevanter Gene. Es hemmt unter anderem die Aktivierung von Immunzellen sowie die Freisetzung von Zytokinen, Prostaglandinen und Leukotrienen. 4 mg Methylprednisolon entsprechen in der glukokortikoiden Wirkung ungefähr 5 mg Prednisolon beziehungsweise 20 mg Hydrocortison.

Pharmakokinetik
  • Verteilung: Plasmaproteinbindung etwa 62 %, überwiegend an Albumin

  • Eliminationshalbwertszeit: Etwa 3 h

  • Biologische Wirkdauer: Etwa 12–36 h

  • Metabolismus: CYP3A4; Methylprednisolon Vorwiegend hepatisch, unter Beteiligung von CYP3A4

  • Ausscheidung: Überwiegend renal in Form von Metaboliten

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Plazentagängig; insbesondere im ersten Trimenon nur nach strenger Indikationsstellung Bei längerer Behandlung sind Wachstumsstörungen und bei Anwendung gegen Ende der Schwangerschaft eine neonatale Nebennierenrindensuppression möglich

  • Stillperiode: Übergang geringer Mengen in die Muttermilch Bei hohen Dosen oder längerer systemischer Therapie empfiehlt die Fachinformation Urbason solubile™ vorsorglich das Abstillen

Anwendungshinweise
  • Intravenöse Gabe bei akuter schwerer Erkrankung, Dosis und Infusionsdauer nach Indikation

  • Blutzucker, Elektrolyte, Blutdruck und Infektionszeichen überwachen

  • Nach längerer Behandlung nicht abrupt absetzen

  • Bei systemischer Sklerose Blutdruck und Nierenfunktion besonders überwachen

  • Bei Anaphylaxie ersetzt Methylprednisolon weder Adrenalin noch Atemwegs- und Kreislauftherapie

Wechselwirkungen
  • CYP3A4-Inhibitoren, beispielsweise Azolantimykotika und Cobicistat: CYP3A4; Methylprednisolon Verstärkte systemische Kortikosteroidwirkung

  • CYP3A4-Induktoren, beispielsweise Rifampicin, Phenytoin und Carbamazepin: CYP3A4; Methylprednisolon Verminderte Kortikosteroidwirkung

  • Nichtsteroidale Antirheumatika: Erhöhtes Risiko gastrointestinaler Ulzera und Blutungen

  • Diuretika und Laxanzien: Verstärkte Kaliumverluste möglich

  • Antidiabetika: Verminderte blutzuckersenkende Wirkung

  • Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien: Verlängerte neuromuskuläre Blockade und erhöhtes Myopathierisiko möglich