Pethidin

15.8.34. Pethidin#

Spezialitäten
  • Alodan™ 50 mg / mL Injektionslösung (100 mg / 2 mL)

Beschreibung

Synthetisches Opioidanalgetikum aus der Gruppe der Phenylpiperidine mit vergleichsweise kurzer analgetischer Wirkdauer und einem neurotoxischen aktiven Metaboliten.

Wirkung
  • Starke Analgesie

  • Sedierung und Atemdepression

  • Antitussive Wirkung

  • Geringe anticholinerge Wirkung und mögliche Tachykardie

  • Histaminfreisetzung mit möglicher Hypotonie

Indikationen
  • Kurzfristige Behandlung starker Schmerzen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren

  • Postoperatives Shivering

Aufgrund der Risiken von Norpethidin, Interaktionen und Abhängigkeit ist Pethidin für eine längerfristige Schmerztherapie ungeeignet.

Kontraindikationen
  • Gleichzeitige Therapie mit MAO-Hemmern oder Anwendung innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen

  • Akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- oder Psychopharmaka-Intoxikation

  • Schwere respiratorische Insuffizienz und Krankheitszustände, bei denen eine Atemzentrumsdämpfung vermieden werden muss

  • Schwere Leberfunktionsstörung, akute hepatische Porphyrie

  • Paralytischer Ileus

  • Schädel-Hirn-Trauma, erhöhter intrakranieller Druck oder Koma

  • Hypotonie bei Hypovolämie

  • Supraventrikuläre Rhythmusstörungen

  • Gallenkolik, Postcholezystektomiesyndrom und Pankreatitis

  • Kinder unter 1 Jahr

Dosierung
  • Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren, intravenös: 50 mg langsam i. v. als Einzeldosis (etwa 0,700 mg / kg)

  • Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren, intramuskulär oder subkutan: 25–100 mg als Einzeldosis

  • Wiederholung: Bei Bedarf nach 3–6 h

  • Maximale Tagesdosis: 500 mg; in der Geburtshilfe höchstens 400 mg innerhalb von 24 h

  • Postoperatives Shivering: etwa 25 mg i.v., off-label

  • Ältere Patienten: Dosisreduktion

  • Leberfunktionsstörung: Dosis gegebenenfalls reduzieren; schwere Leberfunktionsstörung ist kontraindiziert

  • Nierenfunktionsstörung: Dosierungsintervalle wegen Kumulation von Norpethidin verlängern; bei relevanter Einschränkung möglichst ein alternatives Opioid bevorzugen

  • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren: Alodan™ wegen des hohen Wirkstoffgehalts nicht zur Behandlung vorgesehen

Nebenwirkungen
  • Atemdepression bis zur Apnoe, insbesondere nach intravenöser Gabe

  • Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen und Obstipation

  • Bradykardie oder Tachykardie, Hypotonie

  • Harnverhalt, Miosis, Pruritus

  • Delir, paradoxe Erregung, Krampfanfälle und Serotonin-Syndrom

  • Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugssyndrom

  • Anaphylaktische Reaktionen

Pharmakodynamik

Pethidin wirkt als Opioidrezeptoragonist vorwiegend an μ-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und hemmt die nozizeptive Signalübertragung. Etwa 70–100 mg Pethidin entsprechen hinsichtlich der Analgesie ungefähr 10 mg Morphin. Der Metabolit Norpethidin besitzt zentral stimulierende Eigenschaften und kann Krampfanfälle auslösen.

Pharmakokinetik
  • Wirkungseintritt: Nach i. m. oder s. c. Gabe innerhalb von 10–15 min

  • Wirkmaximum: Nach i. m. oder s. c. Gabe nach etwa 30–60 min

  • Wirkdauer: Etwa 2–4 h

  • Bioverfügbarkeit: Nach intramuskulärer Gabe etwa 93–98 %

  • Metabolismus: Hepatisch zu dem pharmakologisch aktiven Metaboliten Norpethidin und weiteren Metaboliten

  • Eliminationshalbwertszeit: Pethidin etwa 4 h, Norpethidin etwa 14–21 h

  • Ausscheidung: Überwiegend renal nach Konjugation; Norpethidin kann bei Nierenfunktionsstörung kumulieren

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Anwendung möglichst während der gesamten Schwangerschaft vermeiden. Pethidin passiert die Plazenta und kann bei wiederholter Exposition neonatale Entzugserscheinungen auslösen. Bei Anwendung während der Geburt ist die niedrigste wirksame intramuskuläre Dosis vorgesehen; beim Neugeborenen sind Atemdepression und neurologische Beeinträchtigungen möglich. Nach intrapartaler Gabe ist das Neugeborene mindestens 6 h auf Atemdepression zu überwachen.

  • Stillperiode: Pethidin und Norpethidin treten in die Muttermilch über. Nach einmaliger Gabe ist eine Stillpause in der Regel nicht erforderlich. Bei wiederholter Anwendung soll nicht gestillt werden, da schwere und verzögert auftretende Nebenwirkungen beim Säugling möglich sind.

Anwendungshinweise
  • Intravenöse Injektion betont langsam durchführen

  • Gegebenenfalls mit 0,9 % NaCl oder 5 % Glucose verdünnen oder als Kurzinfusion verabreichen

  • Atemfrequenz, Vigilanz, Sauerstoffsättigung und Kreislauf überwachen

  • Bei hohen Dosen Intubations- und Beatmungsbereitschaft sicherstellen

  • Bei Niereninsuffizienz wegen möglicher Norpethidin-Kumulation und Krampfanfällen besonders zurückhaltend einsetzen

  • Bei Überdosierung Atemweg und Beatmung sichern und Naloxon titriert verabreichen; wegen der unterschiedlichen Wirkdauer ist eine erneute Atemdepression möglich

Wechselwirkungen
  • MAO-Hemmer: Kontraindiziert während der Behandlung und bis 14 Tage danach; lebensbedrohliche zentralnervöse, respiratorische und kardiovaskuläre Reaktionen möglich

  • Serotonerge Arzneimittel (SSRI, SNRI, Johanniskraut): Risiko eines Serotonin-Syndroms; Kombination vermeiden

  • Benzodiazepine, andere Sedativa und Alkohol: Additive Sedierung und Atemdepression bis zu Koma und Tod

  • Phenothiazine: Verstärkte Hypotonie und Atemdepression

  • Cimetidin: Verminderter Pethidinabbau mit erhöhtem Nebenwirkungsrisiko

  • Phenytoin und Phenobarbital: Vermehrte Bildung des toxischen Metaboliten Norpethidin

  • Ritonavir: Erhöhte Norpethidinexposition mit möglichem Krampfrisiko; Kombination vermeiden

  • Buprenorphin und Opioidantagonisten: Abschwächung der Analgesie und mögliche Entzugssymptome bei opioidabhängigen Patienten

Gefahr

Pethidin darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern oder innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen verabreicht werden. Lebensbedrohliche Wechselwirkungen einschließlich Serotonin-Syndrom sind möglich.

Warnung

Norpethidin kann insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion kumulieren und Krampfanfälle verursachen. Pethidin ist daher kein geeignetes Opioid für eine längerfristige Analgesie.

Siehe auch