15.8.31. Nalbuphin#
- Spezialitäten
Nubain™ 10 mg / mL Injektionslösung, Ampullen zu 2 mL (20 mg Nalbuphinhydrochlorid)
- Beschreibung
Stark wirksames Opioidanalgetikum aus der Gruppe der Morphinan-Derivate mit κ-agonistischen und μ-antagonistischen Eigenschaften. Die Analgesie ist gewichtsbezogen ungefähr mit der von Morphin vergleichbar.
- Wirkung
Analgesie bei mittelstarken bis starken Schmerzen
Sedierung
Atemdepression mit Ceiling-Effekt
Abschwächung der Wirkung reiner μ-Opioidagonisten und mögliche Auslösung eines Opioidentzugs
- Indikationen
Kurzzeitbehandlung mittelstarker bis starker Schmerzen
Präoperative und postoperative Analgesie
- Kontraindikationen
Schwere Nierenfunktionsstörungen
Leberfunktionsstörungen
Gleichzeitige Behandlung mit reinen μ-Opioidagonisten, beispielsweise Morphin oder Fentanyl
- Dosierung
Erwachsene: 0,100–0,300 mg / kg i. v., i. m. oder s. c. als Einzeldosis Bei 70 kg Körpergewicht üblicherweise 10–20 mg Maximale Einzeldosis 20 mg Wiederholung bei Bedarf nach 3–6 h Maximale Tagesdosis 160 mg
Kinder ab 18 Monaten und Jugendliche: 0,100–0,200 mg / kg i. v., i. m. oder s. c. als Einzeldosis Maximale Einzeldosis 0,200 mg / kg Wiederholung bei Bedarf nach 3–6 h Maximale Tagesdosis 1,600 mg / kg Intravenöse Gabe bevorzugen, da intramuskuläre und subkutane Injektionen schmerzhaft sein können
Kinder unter 18 Monaten: Keine ausreichenden Daten für eine Dosierungsempfehlung
Ältere Patienten: Mit der niedrigsten wirksamen Dosis beginnen
Leichte bis mittelschwere Nierenfunktionsstörung: Vorsichtige individuelle Dosierung wegen möglicher verstärkter Reaktionen
- Nebenwirkungen
Sehr häufig Sedierung
Häufig Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit, Schwindel, Schwitzen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen und Dysphorie
Atemdepression, insbesondere bei gleichzeitiger zentral dämpfender Medikation
Selten Entzugssymptome bei opioidabhängigen Patienten
Sehr selten Bradykardie, Tachykardie, Hypotonie, Hypertonie, Verwirrtheit und allergische Reaktionen
Atem- oder Kreislaufdepression beim Neugeborenen nach mütterlicher Anwendung während der Geburt
- Pharmakodynamik
Rezeptorwirkung: Agonismus an κ-Opioidrezeptoren und Antagonismus an μ-Opioidrezeptoren
Ceiling-Effekt: Die Atemdepression erreicht nach einer kumulativen Dosis von ungefähr 30 mg ein Plateau; ein analgetischer Ceiling-Effekt wird bei einer innerhalb kurzer Zeit verabreichten Dosis von ungefähr 50 mg beschrieben. Der Ceiling-Effekt verhindert keine klinisch relevante oder lebensbedrohliche Atemdepression.
Opioidentzug: Durch die μ-antagonistische Wirkung können bei Patienten mit Opioidabhängigkeit oder laufender Behandlung mit μ-Opioidagonisten Entzugssymptome und verstärkte Schmerzen auftreten.
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt: Erwachsene i. v. nach 2–3 min, i. m. oder s. c. spätestens nach 15 min Kinder ab 18 Monaten i. v. nach 2–3 min, i. m. oder s. c. nach 20–30 min
Wirkdauer: Erwachsene 3–6 h, Kinder 3–4 h
Eliminationshalbwertszeit: Ungefähr 2,9 h bei Erwachsenen
Proteinbindung: Ungefähr 50 %
Metabolismus: Hepatisch zu überwiegend pharmakologisch inaktiven Metaboliten; die beteiligten Enzyme sind in der Fachinformation nicht näher charakterisiert
Ausscheidung: Renal als Glukuronidmetaboliten
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Nur bei positiver Nutzen-Risiko-Abwägung anwenden. Bei Anwendung während der Geburt sind fetale Bradykardie sowie Atemdepression, Apnoe, Hypotonie und Herzrhythmusstörungen beim Neugeborenen möglich. Nach längerfristiger mütterlicher Anwendung kann beim Neugeborenen ein Entzugssyndrom auftreten.
Stillperiode: Nalbuphin geht in die Muttermilch über. Nach der Behandlung Stillen für 24 h unterbrechen.
- Anwendungshinweise
Ausschließlich zur kurzzeitigen Behandlung
Intravenöse, intramuskuläre oder subkutane Anwendung
Atmung, Bewusstseinslage und Kreislauf überwachen; Naloxon und Möglichkeiten zur Atemwegssicherung bereithalten
Bei Schädel-Hirn-Trauma oder erhöhtem intrakraniellem Druck nur mit besonderer Vorsicht anwenden
Bei vorbestehenden Atemstörungen, Herzinsuffizienz, paralytischem Ileus, Gallenkolik, Epilepsie oder Hypothyreose erhöhte Vorsicht
Nur klare, partikelfreie Lösung verwenden; Einmalanwendung
Nicht mit anderen Arzneimitteln mischen, da keine Kompatibilitätsstudien vorliegen
In der Originalverpackung vor Licht schützen
- Wechselwirkungen
Reine μ-Opioidagonisten: Gleichzeitige Anwendung kontraindiziert; mögliche Abschwächung der Analgesie und Auslösung von Entzugssymptomen
Benzodiazepine, andere Sedativa und zentral dämpfende Arzneimittel: Erhöhtes Risiko für Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod
Alkohol: Verstärkte Sedierung; Kombination vermeiden
Starke Enzymhemmer und Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite: Vorsicht wegen unzureichender Daten zu pharmakokinetischen Wechselwirkungen
Warnung
Bei opioidabhängigen Patienten kann Nalbuphin ein akutes Entzugssyndrom auslösen. Die gleichzeitige Anwendung mit reinen μ-Opioidagonisten ist gemäß österreichischer Fachinformation kontraindiziert.