15.8.29. Midazolam#
- Spezialitäten, Markennamen
Dormicum™; Midazolam-Generika.
Midazolam ist ein kurz wirksames Benzodiazepin mit sedierender, hypnotischer, anxiolytischer, antikonvulsiver und anterograd amnestischer Wirkung. Es besitzt keine eigenständige analgetische Wirkung.
- Wirkung
Sedierung, Hypnose, Anxiolyse und anterograde Amnesie
Antikonvulsive und zentral muskelrelaxierende Wirkung
Dosisabhängige Atem- und Kreislaufdepression, besonders bei Kombination mit Opioiden
- Indikationen
Prozedurale Sedierung und Prämedikation
Einleitung und Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie als Bestandteil eines Anästhesiekonzepts
Sedierung beatmeter Patienten auf der Intensivstation
Akutbehandlung von Krampfanfällen bzw. Status epilepticus, abhängig von Applikationsweg und Präparat
- Kontraindikationen
Schwere respiratorische Insuffizienz bzw. akute Atemdepression bei Anwendung zur bewussten Sedierung, entsprechend der Fachinformation
Myasthenia gravis und Schlafapnoesyndrom: präparat- und anwendungsabhängige Gegenanzeigen bzw. besondere Vorsicht
Gleichzeitige Anwendung mit starken CYP3A-Hemmern: abhängig von Applikationsweg und Präparat kontraindiziert oder nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen
- Dosierung
Prozedurale Sedierung, Erwachsene: Initial häufig 1—2,5 mg langsam i.v.; nach Wirkung und klinischem Zustand in kleinen Schritten titrieren. Bei älteren, geschwächten oder kritisch kranken Patienten deutlich niedriger beginnen.
Prämedikation, Erwachsene: 3,25-7,5 mg po
Kinder: 0,5 mg / kg po, maximal 15 mg; 0,5–1,0 mg / kg rektal; 0,4 mg / kg nasal (Cave rascher Wirkeintritt, Überwachung!)
Anästhesieeinleitung, Erwachsene, i.v.: Je nach Begleitmedikation und Patientenzustand etwa 0,150—0,350 mg / kg. Bei älteren, geschwächten und kritisch kranken Patienten deutlich reduzieren.
Intensivmedizinische Sedierung: Individuell titrierte Dauerinfusion, beispielsweise 0,030—0,200 mg / kg / h, unter Verwendung eines Sedierungsziels und regelmäßiger Reevaluation.
Krampfanfall / Status epilepticus: z. B. 10 mg i.m. ab kg (🗎 RAMPART 2011)
Kinder: Alters-, gewichts- und applikationswegabhängige Dosierung nach Fachinformation; nicht aus Erwachsenendosen extrapolieren.
- Nebenwirkungen
Atemdepression, Apnoe und Atemwegsobstruktion
Hypotonie, insbesondere bei Hypovolämie oder hämodynamischer Instabilität
Übersedierung, verlängerte Sedierung und Kumulation
Paradoxe Erregung, Agitation und Enthemmung
Anterograde Amnesie, Delirrisiko und Entzugssymptome nach längerer Anwendung
- Pharmakodynamik
Wirkmechanismus: Positiver allosterischer Modulator am GABAA-Rezeptor; verstärkt die hemmende Wirkung von GABA.
Potenz: etwa 3- bis 6-fach potenter als Diazepam; Vergleich ist endpunkt- und applikationsabhängig.
Antagonist: Flumazenil; Gefahr der Resedierung sowie von Krampfanfällen bei disponierten Patienten.
- Pharmakokinetik
Löslichkeit: Bei saurem pH wasserlöslich; bei physiologischem pH Ringverschluss und Zunahme der Lipophilie.
Proteinbindung: Hoch, überwiegend an Albumin.
Metabolismus: Hepatische Hydroxylierung vor allem über CYP3A4/5 zu 1-Hydroxymidazolam; anschließende Glukuronidierung.
Elimination: Metaboliten überwiegend renal. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt bei gesunden Erwachsenen ungefähr 1,5—3 h, kann bei kritisch Kranken und nach längerer Infusion deutlich verlängert sein.
Leberinsuffizienz, höheres Lebensalter, kritische Erkrankung: Verminderte Clearance und verlängerte Wirkung möglich.
Niereninsuffizienz: Akkumulation aktiver Metaboliten, insbesondere bei längerer Infusion, möglich.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Anwendung nur bei entsprechender Indikation und nach Nutzen-Risiko-Abwägung; neonatale Atemdepression und Sedierung bei geburtsnaher Anwendung möglich.
Stillperiode: Stillpause 24 h
- Wechselwirkungen
CYP3A-Hemmer: Azolantimykotika (z. B. Fluconazol), Makrolide (z. B. Erythromycin) und Verapamil können die Midazolam-Exposition erhöhen und die Wirkung verlängern.
CYP3A-Induktoren: Beispielsweise Rifampicin kann die Wirkung abschwächen.
Opioide und andere ZNS-dämpfende Substanzen: Verstärkte Sedierung und Atemdepression bis zur Apnoe.
- Anwendungshinweise
Bei i.v. Anwendung langsam titrieren und Atemfunktion, Oxygenierung und Hämodynamik überwachen.
Bei prozeduraler Sedierung müssen Atemwegsmanagement und Beatmung unmittelbar möglich sein.
Bei längerer intensivmedizinischer Anwendung Sedierungstiefe, Kumulation, Delir- und Entzugsrisiko beachten.
Zu tun
Fachliche Prüfung vor Freigabe
Schwangerschaft und Stillpause anhand der österreichischen Fachinformation konkretisieren.
Die historische Aussage „3- bis 6-fach potenter als Diazepam“ ist ohne definierte Vergleichsgröße nicht belastbar.