15.8.8. Clindamycin#
- Spezialitäten
Dalacin C™ (Kapseln)
Clindamycin-MIP™ (Injektionslösung)
- Beschreibung
Antibiotikum aus der Gruppe der Lincosamide. Clindamycin wirkt vorwiegend bakteriostatisch und wird systemisch oral oder parenteral angewendet.
- Wirkung
Wirksamkeit gegen zahlreiche empfindliche grampositive aerobe Erreger und Anaerobier
Hemmung der bakteriellen Proteinbiosynthese
Hemmung der bakteriellen Toxinproduktion als klinisch relevanter Zusatznutzen bei ausgewählten toxinvermittelten Infektionen
Keine zuverlässige Wirksamkeit gegen aerobe gramnegative Stäbchen
- Indikationen
Schwere Haut- und Weichteilinfektionen durch empfindliche Erreger
Knochen- und Gelenkinfektionen
Infektionen durch empfindliche Anaerobier, bei polymikrobiellen Infektionen gegebenenfalls in Kombination mit weiteren Antibiotika
Ausgewählte odontogene und gynäkologische Infektionen
Ergänzende antitoxinwirksame Therapie bei invasiven Infektionen durch toxinbildende Streptokokken, zusätzlich zur erregerspezifischen Basistherapie
- Kontraindikationen
Bekannte schwere Überempfindlichkeit gegen Clindamycin oder Lincomycin
- Dosierung
Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre, parenteral: 1.200–1.800 mg / Tag bei mäßig schweren Infektionen, auf 2–4 Einzelgaben verteilt 2.400–2.700 mg / Tag bei schweren Infektionen, auf 2–4 Einzelgaben verteilt Maximale Tagesdosis 4.800 mg gemäß Produktinformation von Clindamycin-MIP™ 150 mg / mL
Kinder über 4 Wochen bis 14 Jahre, parenteral: 20–40 mg / kg / Tag in 3–4 Einzelgaben
Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre, oral: 600–1.800 mg / Tag in 2–4 Einzelgaben gemäß Fachinformation von Dalacin C™
Kinder über 1 Monat bis 12 Jahre, oral: 8–25 mg / kg / Tag in 3–4 Einzelgaben gemäß Fachinformation von Dalacin C™
Schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung: Bei schwerer Einschränkung können Dosisreduktion oder Intervallverlängerung nach klinischem Verlauf und gegebenenfalls Serumkonzentrationen erforderlich sein
- Nebenwirkungen
Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen
Antibiotikaassoziierte Kolitis bis zur pseudomembranösen Kolitis durch Clostridioides difficile
Exanthem und andere Überempfindlichkeitsreaktionen bis zur Anaphylaxie
Schwere kutane Arzneimittelreaktionen einschließlich DRESS, Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse
Erhöhung der Leberwerte und akute Nierenschädigung
Neutropenie, Leukopenie und Thrombozytopenie
Lokale Venenreizung bei parenteraler Gabe
- Pharmakodynamik
Clindamycin bindet an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen und hemmt die Proteinbiosynthese. Der pharmakodynamische Wirksamkeitsparameter ist insbesondere die Zeit oberhalb der minimalen Hemmkonzentration. Eine induzierbare MLSB-Resistenz bei Staphylokokken muss mikrobiologisch berücksichtigt werden.
- Pharmakokinetik
Resorption: Orale Bioverfügbarkeit etwa 90 %; Nahrungsaufnahme beeinflusst das Ausmaß der Resorption kaum
Verteilung: Gute Gewebegängigkeit, aber unzureichende Liquorgängigkeit für eine Meningitistherapie
Metabolismus: CYP3A4; Clindamycin CYP3A5; Clindamycin Überwiegend hepatisch, insbesondere über CYP3A4 und in geringerem Ausmaß CYP3A5
Eliminationshalbwertszeit: Etwa 1,5–3,5 h, bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung verlängert
Ausscheidung: Überwiegend biliär und fäkal; ein kleinerer Anteil renal
Dialysierbarkeit: Nicht in relevantem Ausmaß durch Hämodialyse entfernt
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Plazentagängig. Im zweiten und dritten Trimenon zeigte die klinische Erfahrung keine erhöhte Fehlbildungsrate; für das erste Trimenon sind die Daten begrenzter. Anwendung bei zwingender Indikation nach Nutzen-Risiko-Abwägung
Stillperiode: Übergang in die Muttermilch. Stillen muss bei erforderlicher Therapie nicht grundsätzlich unterbrochen werden; beim Säugling auf Durchfall, Blut im Stuhl und Hautausschlag achten
- Anwendungshinweise
Intravenöse Gabe: Nur verdünnt als Infusion, keine unverdünnte intravenöse Injektion Maximale Konzentration der Infusionslösung 12 mg / mL und maximale Infusionsgeschwindigkeit 30 mg / min gemäß Clindamycin-MIP™-Produktinformation
Intramuskuläre Gabe: Höchstens 600 mg je Injektion gemäß Clindamycin-MIP™-Produktinformation
Bei länger dauernder Therapie Leber- und Nierenfunktion kontrollieren
Bei anhaltender oder schwerer Diarrhö Clindamycin absetzen und C.-difficile-Infektion abklären
Bei Verdacht auf antibiotikaassoziierte Kolitis keine Peristaltikhemmer einsetzen
Clindamycin nicht zur Meningitistherapie verwenden
- Wechselwirkungen
Neuromuskuläre Blocker: Verstärkung der neuromuskulären Blockade möglich
Makrolide: Möglicher pharmakodynamischer Antagonismus und Resistenzüberschneidungen
Vitamin-K-Antagonisten: INR-Anstieg und Blutungen möglich; Gerinnung engmaschig kontrollieren
Starke CYP3A-Induktoren, beispielsweise Rifampicin: Verminderte Clindamycinexposition und mögliche Wirksamkeitsminderung
Warnung
Eine Clostridioides-difficile-assoziierte Kolitis kann während der Therapie oder noch Wochen nach deren Ende auftreten und lebensbedrohlich verlaufen. Bei schwerer oder anhaltender Diarrhö muss die laufende Behandlung unverzüglich überprüft werden.