15.8.25. Metamizol#
- Spezialitäten
Novalgin™
Metamizol HCS™
- Darreichungsformen
Injektions- und Infusionslösung: 500 mg / mL
Ampullen mit 2 mL (1.000 mg) und 5 mL (2.500 mg)
- Beschreibung
Nichtopioides Analgetikum aus der Gruppe der Pyrazolone mit analgetischer, antipyretischer und spasmolytischer Wirkung. Metamizol ist eine Prodrug; die Wirkung wird überwiegend durch aktive Metaboliten vermittelt.
- Indikationen
Akute starke Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen
Kolikartige Schmerzen
Tumorschmerzen
Sonstige akute oder chronische starke Schmerzen, wenn andere Behandlungen nicht infrage kommen
Hohes Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht
Die parenterale Gabe ist angezeigt, wenn eine enterale Anwendung nicht geeignet ist.
- Kontraindikationen
Frühere Agranulozytose durch Metamizol oder andere Pyrazolone beziehungsweise Pyrazolidine
Störungen der Knochenmarkfunktion oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems
Analgetika-Asthma-Syndrom oder Analgetika-Intoleranz vom Urtikaria-Angioödemtyp
Akute intermittierende hepatische Porphyrie
Angeborener Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
Hypotonie oder instabile Kreislaufsituation bei parenteraler Gabe
Drittes Trimenon der Schwangerschaft
Schwere frühere Hautreaktion auf Metamizol
- Dosierung
Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren mit mehr als 53 kg: 500–1.000 mg i. v. oder i. m. als Einzeldosis Wiederholung bei Bedarf alle 6–8 h, höchstens 4-mal täglich Übliche maximale Tagesdosis 4.000 mg Bei entsprechender Indikation sind gemäß Fachinformation der 500-mg/mL-Injektionslösung Einzeldosen bis 2.500 mg und Tagesdosen bis 5.000 mg möglich
Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre: 8–16 mg / kg als Einzeldosis i. v. oder i. m. Bei Fieber üblicherweise 10 mg / kg Wiederholung alle 6–8 h, höchstens 4-mal täglich unter Beachtung der alters- und gewichtsbezogenen Tagesmaximaldosis
Säuglinge unter 3 Monaten: Die parenterale Anwendung der 500-mg/mL-Zubereitung wird nicht empfohlen
Ältere, geschwächte Patienten oder eingeschränkte Kreatinin-Clearance: Dosisreduktion erwägen
Eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion: Wiederholte hohe Dosen vermeiden
Warnung
Die intravenöse Injektion muss beim liegenden Patienten unter Kreislaufüberwachung sehr langsam erfolgen, maximal 1 mL / min (entsprechend 500 mg / min bei einer Konzentration von 500 mg / mL). Eine rasche Injektion erhöht das Risiko eines ausgeprägten Blutdruckabfalls.
- Nebenwirkungen
Hypotonie bis zum Kreislaufschock, besonders bei rascher intravenöser Gabe
Anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen
Agranulozytose, Panzytopenie, Leukopenie und Thrombozytopenie
Schwere kutane Arzneimittelreaktionen einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom, toxischer epidermaler Nekrolyse und DRESS
Arzneimittelinduzierte Leberschädigung
Akute Nierenfunktionsstörung, selten interstitielle Nephritis
Rotfärbung des Harns durch Rubazonsäure, insbesondere nach hohen Dosen; für sich genommen harmlos
Gefahr
Eine Metamizol-induzierte Agranulozytose ist nicht dosisabhängig und kann jederzeit während der Behandlung oder kurz nach dem Absetzen auftreten, auch nach früherer problemloser Anwendung. Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautläsionen Metamizol sofort absetzen und unverzüglich ein Blutbild mit Differenzialblutbild bestimmen. Bei bestätigter Agranulozytose darf Metamizol nicht erneut verabreicht werden. Routinemäßige Blutbildkontrollen zur Früherkennung werden nach der europäischen Sicherheitsbewertung von 2024 nicht empfohlen.
- Pharmakodynamik
Analgetische und antipyretische Wirkung durch aktive Metaboliten mit zentralen und peripheren Wirkmechanismen. Zusätzlich spasmolytische Wirkung auf glatte Muskulatur.
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt: Deutliche Wirkung nach parenteraler Gabe innerhalb von etwa 30 min
Metabolismus: Rasche Hydrolyse zu 4-Methylaminoantipyrin (4-MAA) und weitere hepatische Metabolisierung
Ausscheidung: Metaboliten überwiegend renal
- Schwangerschaft und Stillperiode
Erstes und zweites Trimenon: Anwendung grundsätzlich nicht empfohlen; einzelne Dosen können nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung vertretbar sein
Drittes Trimenon: Kontraindiziert wegen möglicher fetaler und maternaler Komplikationen, unter anderem vorzeitigem Ductus-arteriosus-Verschluss und Blutungen
Stillperiode: Wiederholte Anwendung vermeiden Nach einer Einzeldosis Muttermilch für 48 h sammeln und verwerfen
- Anwendungshinweise
Niedrigste wirksame Dosis und möglichst kurze Behandlungsdauer
Parenterale Gabe beim liegenden Patienten unter ärztlicher Überwachung
Bei Hypovolämie oder Kreislaufinstabilität erhöhtes Risiko einer hypotensiven Reaktion
Bei Verdacht auf schwere Überempfindlichkeitsreaktion, Blutbildveränderung, schwere Hautreaktion oder Leberschädigung sofort absetzen
Bei längerfristiger Anwendung klinische Überwachung entsprechend Indikation und Risikoprofil
Bei Fiebertherapie und gleichzeitiger Antibiotikagabe können Symptome einer Agranulozytose verschleiert werden
- Wechselwirkungen
Methotrexat: Erhöhtes Risiko hämatologischer Toxizität; Kombination vermeiden
Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure: Mögliche Abschwächung der Thrombozytenaggregationshemmung
Ciclosporin, Tacrolimus, Valproat, Bupropion, Methadon: Verminderte Wirkstoffkonzentrationen und Wirksamkeit möglich; klinische Wirkung und gegebenenfalls Spiegel überwachen
Chlorpromazin: Risiko schwerer Hypothermie