15.8.37. Prednisolon#
- Spezialitäten
Prednisolon „Nycomed“™ 5 mg Tabletten
Prednisolut™ 25 mg, 50 mg, 250 mg, 500 mg und 1.000 mg zur intravenösen Anwendung
- Beschreibung
Synthetisches, mittelstark wirksames Glukokortikoid mit antiinflammatorischer und immunsuppressiver Wirkung. Für die intravenöse Anwendung wird unter anderem das wasserlösliche Prednisolon-21-hydrogensuccinat verwendet.
- Wirkung
Hemmung entzündlicher und allergischer Reaktionen
Immunsuppression
Verminderung von Ödemen bei ausgewählten entzündlichen Erkrankungen
Steigerung der Glukoneogenese und des Blutzuckers
Geringe mineralokortikoide Wirkung mit möglicher Natrium- und Wasserretention
- Indikationen
Schwere akute Asthmaexazerbation und andere entzündliche Atemwegserkrankungen
Schwere entzündliche, allergische und immunologische Erkrankungen
Akute Nebennierenrindeninsuffizienz, wobei bei Addison-Krise in der Regel Hydrocortison bevorzugt wird
Ausgewählte hämatologische, dermatologische und transplantationsmedizinische Indikationen
Systemische Glukokortikoidtherapie bei zahlreichen weiteren Erkrankungen nach indikationsspezifischem Schema
Prednisolut™ ist laut österreichischer Fachinformation unter anderem für die parenterale Akuttherapie des schweren Asthmaanfalls und bestimmter immunologischer Notfälle bei Patienten ab 6 Jahren zugelassen.
- Kontraindikationen
Parenterale kurzfristige Notfallbehandlung: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile als formale Kontraindikation
Systemische orale Therapie: Systemische Mykosen und Lebendimpfstoffe unter immunsuppressiver Glukokortikoidtherapie
Besondere Vorsicht: Akute Virusinfektionen, latente Tuberkulose, Hepatitis B, Strongyloidiasis, Ulkuskrankheit, Diabetes mellitus, schwer einstellbare Hypertonie, Osteoporose und psychiatrische Erkrankungen
Bei vitaler Indikation kann eine kurzfristige systemische Therapie trotz relativer Risiken erforderlich sein.
- Dosierung
Erwachsene, oral bei akuter Asthmaexazerbation: Häufig 40–50 mg täglich für 5–7 Tage gemäß klinischer Leitlinie; nicht mit einem parenteralen Hochdosisregime gleichsetzen
Kinder, oral bei akutem Asthma: 1–2 mg / kg / Tag für 3–5 Tage gemäß Fachinformation Prednisolon „Nycomed“™; alters- und indikationsbezogene Höchstdosis gesondert berücksichtigen
Schwerer akuter Asthmaanfall, Prednisolut™ intravenös, Erwachsene: Initial 100–500 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat; anschließend indikationsabhängige Weiterbehandlung
Schwerer akuter Asthmaanfall, Prednisolut™ intravenös, Kinder ab 6 Jahren: Initial 2 mg / kg Prednisolon-21-hydrogensuccinat; anschließend 1–2 mg / kg alle 6 h bis zur Besserung nach Fachinformation
Abstoßungskrise nach Nierentransplantation, Prednisolut™: 1.000 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat i. v. täglich für 3–7 Tage zusätzlich zur Basistherapie nach Fachinformation
Andere Indikationen: Indikationsspezifische Initial- und Erhaltungsdosierung; bei längerfristiger Therapie schrittweise Dosisreduktion
Warnung
Die Stärkenangabe von Prednisolut™ bezeichnet Prednisolon-21-hydrogensuccinat, nicht die äquivalente Menge Prednisolonbase. 1.000 mg Prednisolon-21-hydrogensuccinat entsprechen etwa 782,7 mg Prednisolon. Die Dosierungen verschiedener Salzformen und Präparate dürfen nicht ungeprüft gleichgesetzt werden.
- Nebenwirkungen
Hyperglykämie und verminderte Glukosetoleranz
Erhöhtes Infektionsrisiko und Maskierung von Infektionszeichen
Psychische Veränderungen, Schlafstörungen, Delir oder steroidinduzierte Psychose
Hypokaliämie, Flüssigkeitsretention und Blutdruckanstieg
Gastrointestinale Ulzerationen und Blutungen, insbesondere bei zusätzlichen Risikofaktoren
Muskelschwäche, Steroidmyopathie und Osteoporose bei längerer Behandlung
Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
Katarakt, Glaukom und zentrale seröse Chorioretinopathie
Selten Bradykardie nach intravenöser Hochdosisgabe
- Pharmakodynamik
Prednisolon bindet an intrazelluläre Glukokortikoidrezeptoren und verändert die Genexpression entzündungsrelevanter Proteine. Unter anderem werden die Bildung proinflammatorischer Mediatoren, die Leukozytenmigration und die Immunantwort gehemmt. Die genomisch vermittelte antiinflammatorische Wirkung tritt verzögert ein und ersetzt bei Anaphylaxie nicht die sofort wirksame Behandlung mit Adrenalin.
- Pharmakokinetik
Resorption: Nach oraler Gabe gut resorbiert
Verteilung: Überwiegend an Plasmaproteine gebunden; plazentagängig und Übergang in die Muttermilch
Metabolismus: Überwiegend hepatisch, unter Beteiligung von CYP3A4; Prednisolon CYP3A4
Elimination: Metaboliten überwiegend renal ausgeschieden
Plasmahalbwertszeit: Etwa 2–4 h; biologische Wirkdauer deutlich länger
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Anwendung nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung Bei längerfristiger Behandlung sind fetale Wachstumsstörungen möglich; bei Gabe gegen Ende der Schwangerschaft ist eine neonatale Nebennierenrindensuppression zu beachten
Stillperiode: Prednisolon geht in die Muttermilch über Bei niedrigen bis üblichen therapeutischen Dosen ist nach Fachinformation keine Schädigung des Säuglings bekannt; bei hohen Dosen empfiehlt die Fachinformation von Prednisolut™ das Abstillen
- Anwendungshinweise
Glukokortikoide besitzen keine unmittelbare bronchodilatatorische oder vasopressorische Wirkung
Bei Anaphylaxie ersetzt Prednisolon niemals Adrenalin
Bei schwerer Asthmaexazerbation Bronchodilatatoren und erforderliche respiratorische Unterstützung parallel durchführen
Bei längerfristiger Anwendung Dosis nicht abrupt absetzen; Risiko einer sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz berücksichtigen
Bei höherer Dosierung Blutzucker, Blutdruck, Elektrolyte und Infektionszeichen kontrollieren
Vor intravenöser Gabe Rekonstitution und Applikationshinweise des jeweiligen Präparats beachten
- Wechselwirkungen
Nichtsteroidale Antirheumatika: Erhöhtes Risiko gastrointestinaler Ulzerationen und Blutungen
Diuretika und Laxanzien: Verstärkte Kaliumverluste möglich
Herzglykoside: Erhöhtes Arrhythmierisiko bei Hypokaliämie
Antidiabetika: Verminderte blutzuckersenkende Wirkung
Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin und Barbiturate: CYP3A4; Prednisolon Enzyminduktion mit möglicher Wirkungsabschwächung
Azolantimykotika und Cobicistat: CYP3A4; Prednisolon Enzymhemmung mit erhöhtem Risiko systemischer Glukokortikoidnebenwirkungen
Fluorchinolone: Erhöhtes Risiko für Tendinopathien und Sehnenrupturen
Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien: Verlängerte neuromuskuläre Blockade möglich
Siehe auch