Allgemein: Störungen der Atemwege und der Atmung#
Störungen der Atmung können aus vielen Ursachen eintreten. Die Tabelle Ursachen von Atemstörungen beschreibt die wichtigsten Pathomechanismen und Störungen.
Der Begriff Ateminsuffizienz beschreibt allgemein eine nicht ausreichende Atmung, unabhängig von der Ursache der Störung. Sie führt zu einem Sauerstoffmangel (Hypoxie). Der Atemstillstand (Apnoe) ist die extremste Form der Ateminsuffizenz. Störungen der Atemgeschwindigkeit werden als Bradypnoe (zu langsam) und als Tachypnoe (zu schnell) bezeichnet. Das wichtigste Leitsymptom von Atemstörungen ist die Atemnot (Dyspnoe). Oft führen Störungen außerhalb des Atemsystems zu einer Störung der Sauerstoffversorgung des Körpers und dadurch zu Atemnot.
Gefahr der Ateminsuffizienz#
Bei einer Ateminsuffizienz sinkt der O₂-Gehalt im Blut. Es kommt zu einer Hypoxie und in weiterer Folge zu einer Unterversorgung lebenswichtiger Organe wie Herz und Hirn mit Sauerstoff. Außerdem ist die CO₂-Abgabe gestört und es kommt zu einer Anhäufung von CO₂ im Blut. In weiterer Folge kann es zu einer atmungsbedingten Übersäuerung (respiratorische Azidose) kommen.
Störung des/der |
Beispiele |
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O₂-Angebotes |
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O₂-Diffusion |
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Atemmechanik |
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Neuromuskulären Atemregulation |
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Sonstige Regulationsstörung |
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Befunde#
Atemstörungen können viele verschiedene Symptome verursachen. Table-atmung-symptome, listet verschiedene Symptome auf. Neben technischen Geräten ist vor allem sehen, hören, fühlen und ein aufmerksamer Blick gefordert. Die Abgrenzung der Atemstörung zur Kreislaufstörung ist oft nicht einfach. Eine Störung des Kreislaufes hat meist auch einen verminderten Sauerstofftransport zur Folge, daher kommt es dabei häufig auch zur Atemnot.
Häufig erkennbar sind z. B. eine Zyanose, Klage über subjektive Atemnot, eine zu schnelle oder langsame Atmung (Tachy-/Bradypnoe; AF < 8 / min oder > 30 / min), eine auffällige Atemtiefe (flach, tief, evtl. Schnappatmung), pathologische Atemmuster, eine paradoxe oder überhaupt fehlende Atmung oder andere Symptome der Atemnot (Table-atmung-symptome). Bei der Auskultation kann eine ungleichseitige Belüftung der Lungen festgestellt werden, sowie diverse Atemnebengeräusche (feuchte Rasselgeräusche, spastische Atemgeräusche).
Die Sauerstoffsättigung kann vermindert oder hoch sein (Kohlenmonoxid, Hyperventilationssyndrom). Ebenso wichtig sind Umstände wie das Vorhandensein von Heimsauerstoff oder anderen Atemhilfen.
Kriterium |
Befund |
Beschreibung |
|---|---|---|
Beschwerde |
Atemnot (Dyspnoe) |
Leitsymptom |
Atemgeräusch |
Brodeln |
Blubbern, klassisch für Lungenödem |
Stridor |
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Brummen, Giemen |
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Rasselgeräusche |
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Frequenz |
Beschleunigt |
Tachypnoe |
Verlangsamt |
Bradypnoe |
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Atemzugsvolumen |
Schnappatmung |
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Flache Atmung |
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Tiefe Atmung |
z. B. Kußmaul’sche Atmung |
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Hautfarbe |
Blass |
Normal, Anämie, Blutverlust |
Rosig |
Normal, -Vergiftung |
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Bläulich |
Zyanose: Hypoxie! |
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Körperlich |
Einziehungen an den Rippen |
Einsatz der Zwischenrippenmuskulatur |
Aufstützen |
Einsatz der Atemhilfsmuskulatur |
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Nasenflügeln |
Atemnot, besonders bei Kleinkindern |
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Aufrechte Position |
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Paradoxe Atmung |
Brustkorb senkt sich bei Einatmung, z. B. bei Serienrippenfraktur |
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Geräte |
Pulsoxymetrie |
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Kapnometrie |
CO₂-Messung |
Maßnahmen#
Insuffiziente Atmung#
Anm.: AF < 8 oder > 30 / min, bzw. AZV zu niedrig
Vitale Bedrohung!
Assistierte Beatmung
Ursachenforschung
Atemstillstand#
Bei einem mit Atemstillstand vorgefundenen Patienten ist grundsätzlich auch von einem Kreislaufstillstand auszugehen.
Nur in sehr seltenen Fällen kann primär ein isolierter Atemstillstand ohne gleichzeitigem Kreislaufstillstand beobachtet werden. Auf diese Spezialfälle (z. B. Opiatintoxikation) wird hier nicht weiter eingegangen. Auch der iatrogene Atemstillstand (z. B. im Rahmen einer Narkose) wird an dieser Stelle nicht behandelt.
Atmungsstörungen#
Störung des/der O₂-Angebotes |
Beispiele |
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Niedriger Sauerstoffpartialdruck |
„Dünne Luft“ (z. B. Hochgebirge) |
Verdrängung von O₂ durch Gase |
Stickgase (z. B. Gärkeller: CO₂↑, O₂↓; defekte Gastherme: CO) |
Beeinträchtigte O₂-Diffusion |
Ertrinken (Lungenödem), Pneumonie |
Perfusionsstörung |
Pulmonalembolie |
Störung der Atemmechanik |
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Störung der neuromuskulären Atemregulation |
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Sonstige Regulationsstörungen |
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Mechanische Atemwegsverlegung#
[topicAspirationFremdkoerper]
Verlegung durch Fremdkörper
Obere und untere Atemwege möglich
Aspiration: untere Atemwege
Besonders gefährdet:
Kinder oder alte Personen
Bewusstseinsgetrübte/-lose Personen
Patienten mit Schluckstörungen
Allergiker
Schweregrad:
Milde Verlegung: Kann Sprechen und Husten
Schwere Verlegung: Sprechen oder effektiv husten nicht möglich
Man unterscheidet zwischen einer milden (der Patient kann noch sprechen und husten) und einer schweren Atemwegsverlegung (Sprechen und Husten nicht möglich) .
Spezielle Techniken: Schläge zwischen die Schulterblätter und
Heimlich-Manöver
Terminus[Schulterblätter; Schläge zwischen die]Schläge zwischen die Schulterblätter: Durch kräftige Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter kann ein festsitzender Fremdkörper evtl. gelockert und ausgehustet werden.
Heimlich-Manöver: [topicHeimlichManoever]Beim Heimlich-Manöver versucht man durch Kompression des Bauchraums den Fremdkörper durch den entstandenen Überdruck aus den Atemwegen zu entfernen.
Der Helfer umfasst von hinten den Oberbauch des Patienten und bildet mit der einen Hand eine Faust und umschliesst diese mit der anderen Hand. Nun legt er die Faust unterhalb der Rippen und des Brustbeins an und zieht sie dann ruckartig gerade nach hinten zu sich.
Verletzungsgefahr! Durch Anwendung des Heimlich-Handgriffes kann es zu schweren inneren Verletzungen kommen (Magen, Leber, …), die Anwendung ist daher auf bedrohliche Situationen beschränkt.
30. Atmungsstörungen#
Eine respiratorische Insuffizienz liegt vor, wenn die für die Aufrechterhaltung eines suffizienten Gasaustausches notwendige Atemarbeit vom Patienten nicht mehr aufgebracht werden kann. Die pulmonale O₂-Aufnahme ist in Folge so stark beeinträchtigt, dass eine ausreichende O₂-Versorgung der Gewebe bzw. eine ausreichende Elimination von Kohlendioxid nicht mehr gewährleistet ist. Leitsymptom ist die Tachypnoe (> 35/min)! + Reduziertes VT, Schaukelatmung, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur mit erhöhtem Sympatikotonus (Unruhe, Schwitzen, Tachykardie, Hypertonie)
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen 3 Ursachen der respiratorischen Insuffizienz, die als eigenständige Formen oder in Kombination auftreten können:
Gasaustauschstörungen durch Erkrankungen des Lungenparenchyms
Störungen der Ventilation, d.h des Atemgastransportes, durch eine Schwäche oder ein Versagen der Atempumpe (= Atemmuskulatur)
Gasaustauschstörungen als Folge von Perfusionsstörungen der Lunge. (Pulmonalembolie, Shunt)
Beim pulmonalen Parenchymversagen (Oxygenationsversagen) steht die Störung der Oxygenierung (⇒ paO₂ ⇓, AaDO₂ ⇑) im Vordergrund ⇒ Hypoxämisches Lungenversagen. Ursachen für ein Lungenparenchymversagen : ALI/ARDS (pulmonal-extrapulmonal), Pneumonie, Kardiogenes Lungenödem, Lungenfibrose (primär-sekundär)
Das pulmonale Pumpversagen (Ventilationsversagen) ist durch eine insuffiziente Elimination von CO₂ (⇒ PaCO₂ ⇑) gekennzeichnet ⇒ Hyperkapnisches Lungenversagen Ursachen für ein Atempumpversagen:
Zentrale Ursachen: Störung im Atemzentrum (z.B. SHT, Intoxikation), Störung im zervikalen oder thorakalen Rückenmark (z.B. traumatischer Querschnitt, Tetanus)
Periphere Ursachen Störungen der Atemmechanik:
Obstruktive und restriktive Ventilationsstörungen, Störung der Thoraxwandintegrität (z.B. Serienrippenfraktur bei Thoraxtrauma),
Kyphoskoliose,
Zwerchfellhernie, Morbide Adipositas.
Peripher neuromuskulär:
Störung der neuromuskulären Überleitung (z.B. Myasthenia gravis, degenerative Muskelerkrankungen, „Hang over“ von Muskelrelaxantien, Botulismus),
Polyneurititiden (z. B. Guillain-Barré-Syndrom, toxisch, infektiös),
Muskelschwäche nach Langzeitbeatmung (Atrophie, Critical illness Polyneuropathy).
Die postoperative Herabsetzung der statischen Lungenvolumina ist vor allem bedingt durch:
Operationsbedingte dorso-basale Atelektasen infolge erhöhtem intraabdominellen Drucks unterschiedlicher Genese
Wundschmerzen mit konsekutiver oberflächerlicher „Schonatmung“ mit niedrigem Atemzugvolumen und erhöhter Atemfrequenz
Verminderung des Hustenstoßes
Sekretretention
„Hang over“ von Narkotika und Muskelrelaxantien 1