Mechanische Atemwegsverlegung#
Wenn ein Fremdkörper den Atemweg teilweise oder vollständig blockiert oder behindert spricht man von einer mechanische Verlegung. Abhängig von der Größe des Fremdkörpers können sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege betroffen sein. Wenn der Fremdkörper in die unteren Atemwege gelangt, spricht man von einer (Fremdkörper-) Aspiration.
Nicht nur feste Körper, sondern auch Flüssigkeiten können Auslöser einer Verlegung oder Aspiration sein. Blut, Magensaft, Erbrochenes oder Speisebrei stellen diesbezüglich eine große Gefahr dar. esonders gefährdet hinsichtlich einer Atemwegsverlegung sind Kinder, ältere Personen, bewusstseinseingschränkte Personen, Patienten mit Schluckstörungen oder Allergiker (z. B. Anschwellen der Schleimhäute nach einem Bienenstich).
Man unterscheidet zwischen einer milden (der Patient kann noch sprechen und husten) und einer schweren Atemwegsverlegung (Sprechen und Husten nicht möglich).
Bemerkung
Die (Un-) Fähigkeit zu sprechen und zu husten ist das wesentliche Kriterium um die Schwere einer Atemwegsverlegung einzuschätzen.
Symptome#
Das Leitsymptom ist Atemnot bzw. Fremdkörpergefühl, zusammen mit einer entsprechenden Anamnese. Oft gestikuliert der Patient entsprechend. Bei fortgeschrittener Hypoxie kann der Patient 🚩 zyanotisch sein. Infolge einer Hypoxie kann es auch zu einer 🚩 Bewusstseinstrübung kommen.
Der Atemweg ist teilweise oder ganz verlegt. Eventuell ist ein pfeifendes Atemgeräusch (Stridor) zu hören. Bei einer hochgradigen oder kompletten Verlegung ist das Atemgeräusch abgeschwächt oder fehlt völlig. Der Fremdkörper ist oft nicht sichtbar, da er sich oft unterhalb des Rachenraums befindet.
Je nach Ausmaß der Verlegung kann die Sauerstoffsättigung erniedrigt sein. Der Patient hat eine schnelle und erschwerte Atmung (Tachypnoe).
Milde Verlegung: Bei der milden Verlegung kann der Patient noch sprechen und effektiv husten. Er klagt meist über Atemnot und ein Fremdkörpergefühl, oft versucht er zu husten oder zu würgen. Oft ist auch ein pfeifendes Atemgeräusch während der Ein- und/oder Austamung zu hören (in-/exspiratorischer Stridor).
Schwere Verlegung: Bei einer schweren Verlegung der Atemwege ist der Patient 🚩\ unfähig zu reden oder effektiv zu husten. Eventuell kann er nur durch Nicken oder Gesten kommunizieren. In besonders schweren Fällen kann es zu einem 🚩\ Atemstillstand und nach kurzer Zeit zu einer 🚩\ Bewusstlosigkeit, gefolgt von einem Kreislaufstillstand kommen.
Bei einer schweren Atemwegsverlegung ist der Patient vital bedroht. Bei der milden Verlegung ist die Einschätzung von den Befunden abhängig.
① |
Essensreste, Spielsachen, etc. |
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② |
Gestik, evtl. 🚩 Zyanose |
③ |
Evtl. 🚩 Bewusstseinstrübung |
④ |
Atemnot, Fremdkörpergefühl |
Ⓐ |
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Ⓑ |
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Ⓒ |
HF ↑, RR ↑ |
Ⓓ |
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Ⓔ |
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= |
Bei schwerer Verlegung vital bedroht, sonst je nach Befund |
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🄼 |
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🄿 |
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🄴 |
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Spezielle Techniken: Schläge zwischen die Schulterblätter und Heimlich-Manöver#
Schläge zwischen die Schulterblätter: Durch kräftige Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter kann ein festsitzender Fremdkörper evtl. gelockert und ausgehustet werden.
Heimlich-Manöver: Syn. Heimlich-Handgriff. Beim Heimlich-Manöver versucht man durch Kompression des Bauchraums den Fremdkörper durch den entstandenen Überdruck aus den Atemwegen zu entfernen.
Der Helfer umfasst von hinten den Oberbauch des Patienten und bildet mit der einen Hand eine Faust und umschliesst diese mit der anderen Hand. Nun legt er die Faust unterhalb der Rippen und des Brustbeins an und zieht sie dann ruckartig gerade nach hinten zu sich.
Verletzungsgefahr! Durch Anwendung des Heimlich-Handgriffes kann es zu schweren inneren Verletzungen kommen (Magen, Leber, …), die Anwendung ist daher auf bedrohliche Situationen beschränkt.
Atemwegsverlegung (Schema): Der linke Bissen steckt im Atemweg fest, der andere befindet sich in der Speiseröhre.#
© Lena Hirtler, ℓ MfG
Heimlich-Manöver: Japanese intern Naoko Uehara at U.S. Naval Hospital, Okinawa, teaches proper technique for treating a choking victim with the assistance of Hospital Corpsman Second Class Ross Francis.#
© Amanda M. Woodhead, USMC, ℓ PD
Maßnahmen#
- Taktik:
Schwer: Vitale Bedrohung! Zeitkritisch; wenn möglich rasche Entfernung des Fremdkörpers.
Mild: Symptomatische Therapie.
Atemwege soweit möglich freimachen
O₂-Gabe hochdosiert (10—15 L / min)
Lagerung: Situationsgerecht, z. B. Oberkörper erhöht
Bei vitaler Bedrohung: Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten
Weitere Maßnahmen abhängig von der Beurteilung der Schwere der Atemwegsverlegung:
Beurteilung der Schwere der Atemwegsverlegung |
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Schwer Kann nicht sprechen, Hustet ineffektiv |
Mild Kann sprechen, hustet effektiv |
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Ohne Bewusstsein |
Bei Bewusstsein |
Bei Bewusstsein |
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Bei Schlägen zwischen die Schulterblätter soll der Patient nach Möglichkeit abwärts schauen (besonders relevant bei Kindern).
Durch Anwendung des Heimlich-Handgriffes kann es zu schweren inneren Verletzungen kommen. Ein Patient ist nach Anwendung unbedingt zu hospitalisieren!