Hyperventilationssyndrom und -tetanie#

Als Hyperventilationssyndrom wird die übermäßig tiefe und schnelle Atmung ohne körperliche Ursache bezeichnet. Durch die Atmung wird der Säure-Basen-Haushalt des Körpers wesentlich beeinflusst (saeure-basen-haushalt). Atmet ein sonst gesunder Mensch übermäßig tief und schnell, so wird sein Blut-pH sehr rasch basisch. Dadurch geraten die Elektrolyte im Blut in ein Ungleichgewicht, es kommt zu Symptomen.

Das Hyperventilationssyndrom ist meistens psychisch bedingt und Folge einer psychischen Belastungsreaktion bzw. Folge einer Panikattacke. Auch im Rahmen von (Pop-)Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen sind oft Patienten mit Hyperventilationstetanie anzutreffen.

ABCDE: Hyperventilationssyndrom#

Oft kommt es bei vornehmlich jugendlichen Besuchern von Pop-Konzerten u.ä. zu Erregungszuständen, welche zum Hyperventilationssysdrom führen können. Daneben kann jedoch jede Situation, welche zu erhöhtem Stress oder Erregung führt, ebenso ein entsprechender Auslöser sein, siehe 🄴. Das Schaffen bzw. Aufsuchen einer ruhigen Umgebung ist wichtig!

Häufig kann man Zeichen psychischer Erregtheit wahrnehmen: Wildes gestikulieren, Weinkrämpfe usw. Klassisch ist die sog. Pfötchenstellung: Die Arme sind angezogen und Handhaltung erinnert an Pfoten eines Tieres.

Wird die Hyperventilation nicht rechtzeitig beendet, kann es zur Eintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen.

Das Leitsymptom ist die Atemnot. Durch das Elektrolyt-Ungleichgewicht kommt es zuerst zu Schwindelgefühlen, etwas später zu einem Kribbeln in den Fingern. In weiterer Folge zeigen sich tonische Krämpfe (Hyperventilationstetanie).

Die Patienten beklagen Atemnot, obwohl die O₂-Zufuhr nicht beeinträchtigt und das Blut maximal gesättigt ist (SpO₂ von 100 %). Sie haben eine tiefe und schnelle Atmung (Tachypnoe).

Herzfrequenz und Blutdruck können in Folge der Erregung etwas erhöht sein.

Ausschließen von gefährlichen Differentialdiagnosen: Die psychisch bedingte Hyperventilation muß unbedingt von der Hyperventilation aufgrund anderer Ursachen abgegrenzt werden. Bei Ateminsuffizienz oder durch Erkrankungen verursachte Atemnot kommt es natürlich auch oft zu einer (kompensatorischen) Hyperventilation (Herzinfarkt, Lungenembolie, Pneumothorax, Asthma-Anfall, …).

Bei einer stoffwechselbedingten Übersäuerung (Azidose) kommt es zu einer Hyperventilation um CO₂ abzuatmen (dadurch wird Säure im Körper abgebaut). Die Kussmaul’sche Atmung beim diabetischen Koma wäre ein typisches Beispiel dafür (koma-diabetisches).

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Normalerweise keine vitale Bedrohung (Differentialdiagnosen bedenken!)

SAMPLER: Hyperventilationssyndrom#

🄴

Oft wird über stressige oder aufregende Erlebnisse berichtet (Trennung, Todesfälle, Prüfungsstress, Verlust des Arbeitsplatzes, …).

Maßnahmen: Hyperventilationssyndrom#

Taktik

Beruhigen, Differentialdiagnosen ausschließen, symptomatische Therapie

⛑ Basismaßnahmen
  • Psychische Betreuung: Patient beruhigen, mit ruhiger, langsamer Stimme mit dem Patienten sprechen

  • Kommandoatmung

  • CO₂-Rückatmung: In ein Plastiksackerl über kurze Zeit ein- und ausatmen lassen. Ebenso eignet sich eine oder ein (puderfreier) Handschuh.

  • Grundsätzlich sollte kein O₂ verabreicht werden. Aus psychologischen Gründen kann es jedoch sinnvoll sein O₂ in niedriger Dosierung (1 L / min) über eine O₂-Maske zu verabreichen.

  • Wenn nicht erfolgreich und Krämpfe bestehen bleiben bzw. Bewusstseinsstörungen auftreten: Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten

🕏 Pharmakotherapie
  • Sedierung oder Anxiolyse erwägen (zurückhaltend!)