Asthma bronchiale#
Das Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung mit Episoden von Anfällen mit massiver Atemnot oder Atembehinderung durch Verengung der Bronchien.
Im akuten Asthmaanfall kommt es zu einer Verengung der Bronchien und vermehrter Schleimbildung, die Ausatmung wird massiv erschwert und der Patient hat das Gefühl nicht genug Luft zu bekommen.
Asthma ist bei den meisten Patienten oft schon bekannt und kann bzw. muss erfragt werden. Viele Patienten haben auch einen oder mehrere Sprays oder Inhalationsgeräte zur Dauer- oder Akutbehandlung. Besonders betroffen vom Asthma bronchiale sind Patienten mit bekannten Allergien. Folglich kann alles, was bei dem Patienten eine Allergie verursacht auch einen Asthmaanfall auslösen (Pollen, Gräser, Katzen, Zigarettenrauch, …).
Ist bei Eintreffen des Rettungsdienstes noch keine Besserung der Atemnot eingetreten, ist diese Atemnot als massiv und lebensbedrohend einzuschätzen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass der Zustand von alleine wieder vergeht und bedarf einer medikamentösen Behandlung durch einen Notarzt.
Patientin mit einem akuten AsthmaanfallSie sitzt auf einer Treppe und stützt sich nach hinten mit den Armen ab. Die Erstmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten wurden ergriffen: Situationsrechte Lagerung, Sauerstoffgabe, Reanimationsbereitschaft, Notarztnachforderung und Monitoring.#
© Sebastian Gabriel ℓ MfG
30.3. ASTHMA *#
Immunogene Entzündungsreaktion meist durch Ag mit erhöhter Permeabilität/Ödem, Muskelkontraktion und erhöhter Sektretion ins Lumen (Hyperreagibilität durch die Entzündung)
Status asthmaticus: trotz pharmakologischer Ausschöpfung schwerer Asthmaanfall > 6-24 h!
LUFU: Obstruktion mit ausgeprägter Reversibilität im Spasmolysetest
Therapie:
Allergenkarenz,
inhalative Steroide (1 mg/d inhal. = 10 mg/d oral),
Betasympathomimetika inhalativ,
Theophyllin oral oder iv.
Status Asthmaticus#
Der Status asthamticus ist eine gefürchtete Komplikation des Asthmaanfalles, bei der die Atemnot nicht wieder vergeht. Es besteht die Gefahr, dass der Patient nach einiger Zeit keine Kraft mehr zum Atmen hat (Erschöpfung). Der Status asthmaticus kann tödlich enden.
ABCDE#
- ①
Kalte Temperaturen oder Allergene (Gräser, Pollen, …) begünstigen einen Asthma-Anfall.
- ②
Der Patient nimmt meist automatisch und unbewusst eine Position ein, die seine Atemhilfsmuskulatur unterstützt: Er sitzt aufrecht und stützt sich oft nach vorne oder hinten ab.
- ③
Im schweren Anfall kann es zu 🚩 Bewusstseinsstörungen kommen.
- ④
Das Leitsymptom ist die Atemnot.
- Ⓑ
Die Atemfrequenz ist erhöht (Tachypnoe), die 🚩Sauerstoffsättigung kann erniedrigt sein. Bei einer manifesten Hypoxie kann eine 🚩 Zyanose beobachtbar sein.
Oft ist ein pfeifendes, brummendes oder giemendes Atemgeräusch, besonders während der Exspiration (exspiratorischer Stridor) wahrnehmbar. Die Exspiration ist außerdem verlängert. Trockener Husten ist häufig.
Im schweren Anfall ist oft kein, oder nur mehr ein leises Atemgeräusch hörbar, da kaum mehr Luft bewegt wird (silent chest). Die 🚩 Sauerstoffsättigung ist stark vermindert und der Patient ist 🚩 zyanotisch. Im Endstadium kann der Patient zu 🚩 erschöpft für eine ausreichende Atemarbeit sein.
Bei der Einschätzung der Atmung ist es wichtig auf die Zeichen einer erschwerten Atemarbeit zu achten:
Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
Einziehungen an den Rippen
Erschöpfungszeichen
Es besteht die Gefahr der 🚩 Erschöpfung der Atemmuskulatur und einer reduzierten Atemarbeit.
- Ⓒ
Die Herzfrequenz ist meist erhöht (Tachykardie), im schweren Anfall kann sie aufgrund der Hypoxie aber auch erniedrigt sein.
=Bei schwerer Atemnot besteht eine vitale Bedrohung. Bei Erschöpfung der Atemarbeit besteht akute Lebensgefahr!
SAMPLER#
- 🄰
Patienten mit allergischem Asthma haben häufig Allergien gegen Gräser, Pollen, Tierhaare usw.
- 🄼
Oft werden Sprays bzw. Inhalatoren zur Dauertherapie und für den Anfall eingesetzt. Manche Medikamente, insbesonders Schmerzmedikamente, können Anfälle auslösen[1]. Nahm der Patient in letzter Zeit (neue) Medikamente?
- 🄿
Meist ist Asthma vorbekannt.
- 🄻
Letzte Spray-Einnahme erfragen!
- 🄴
Häufige Auslösefaktoren sind Stress, Anstrengung und Allergenexposition.
Maßnahmen#
- Taktik
Linderung der Atemnot und rasche medikamentöse Therapie, Vitale Bedrohung im Falle bleibender schwerer Atemnot bzw. Status asthmaticus
Lagerung: Oberkörper hoch, abstützen lassen (Unterstützung der Atemhilfsmuskulatur)
O₂-Gabe gemäß Durchführung: O₂-Berieselung
Achtung: In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass bei hochdosierter Sauerstoffgabe der Patient weniger atmet und Bewusstseinsstörungen auftreten (CO₂-Narkose, vgl. Chronische Bronchitis und COPD)! Bei sorgfältiger Überwachung des Patienten stellt die O₂-Gabe in der Praxis jedoch kein Problem dar .
O₂ bis eine Sauerstoffsättigung von 94—98 % erreicht ist, oder 8 L / min. Die einschlägige Literatur ist widersprüchlich. Besonderes betont muss die Notwendigkeit zur Überwachung des Patienten bezüglich Bewusstseinsstörungen und Atmung werden!
Beruhigen, voratmen, durch fast geschlossene Lippen ausatmen lassen (Lippenbremse)
Für nicht-ärztliches Personal: Sprays, die Patient evtl. bei sich hat, dürfen ohne ärztliche Anordnung nicht mehr genommen werden.
Es besteht die Gefahr, dass die Luftpassage nicht mehr ausreicht um den Wirkstoff in die Bronchien, dem Wirkungsort, zu bringen, durch die Schleimhautresorption jedoch es zu einer systemischen Beta-mimetischen Wirkung (Tachykardie!) mit erhöhtem kardialen Sauerstoffbedarf kommt.
Inhalative Beta-Mimetika (z. B. Salbutamol (Cobivent™)) sind häufig Teil einer Arzneimittelliste gem. SanG.