Nicht-invasive Messung des Blutdrucks#
Der Blutdruck ist jener Druck, welcher in unseren Blutgefäßen herrscht. Wenn wir vom “Blutdruck” sprechen beziehen wir uns auf den Blutdruck in den Arterien. Er gehört, in Kombination mit der Herzfrequenz, zu den grundlegenden Vitalwerten.
Der Druck in der Arterie schwankt in Abhängigkeit zum Herzauswurf: Wenn das Herz Blut auswirft (Auswurfphase , Systole) erreicht er sein Maximum, und sinkt danach in der Füllungsphase des Herzens (Diastole) wieder ab, bis das Herz neuerlich Blut auswirft. Dementsprechend können zwei Werte erhoben werden: Der
Systolische Blutdruck (Spitzendruck), und der
Diastolische Blutdruck (Minimaldruck).
Im Normalfall werden beide Werte ermittelt. Die Einheit, in der der Blutdruck angegeben wird, ist Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg, Hg ist das chemische Symbol für Quecksilber).
Siehe auch Systole, Diastole, mechanische Herzfunktion, und Blutdruck.
Der “Nicht-invasive Blutdruck” wird auf manchen Überwachungsmonitoren mit NIBD oder NIBP (engl. Non-Invasive Blood Pressure) abgekürzt.
Arten der Blutdruckmessung#
Der Blutdruck kann auf verschiedene Arten gemessen werden. Üblich ist die unblutige, indirekte Methode, mittels einer an der Extremität angelegten Druckmanschette [1]. Dazu gibt es unterschiedliche Messgeräte, grundsätzlich unterscheidet man zwischen elektronischen und rein mechanischen Messgeräten.
Elektronische Messgeräte werden oft von Patienten zur Selbstkontrolle des Blutdrucks verwendet. Diese Geräte sind jedoch vergleichsweise fehleranfällig und sind für einen professionellen Einsatz nicht geeignet.
Für den professionellen Einsatz gibt es spezielle elektronische Blutdruckmessgeräte, welche zum Beispiel in Überwachungsmonitoren zum Einsatz kommen. Allerdings sind auch diese Geräte mitunter fehleranfällig, wenn die Messbedingungen nicht optimal (z. B. bei Erschütterungen) sind.
In der Praxis wird die Blutdruckmessung mit mechanischen Messgeräten durchgeführt. Dabei wird eine aufblasbare Manschette mit angeschlossenem Dosenmanometer und Pumpballen mit einem Ablassventil benötigt. Im Idealfall wird auch noch ein Stethoskop verwendet.
Manuelle Blutdruckmessgeräte#
Ein manuelles Blutdruckmessgerät besteht aus einer Manschette, einem Schlauch, einem Auslassventil, einem Pumpballen und einer Druckanzeige. Es gibt Manschetten in unterschiedlichen Größen.
Blutdruckmanschetten mit Hak- und Klettverschluss, sowie einem Doppel- und einem Einzelkopfstethoskop#
© Ch. Pallinger ℓ MfG
Exkurs: Stethoskop#
Ein Stethoskop ist eine Hörvorrichtung. Es besteht patientenseitig aus einem Kopf mit einer Membran oder einem Trichter, einem Schlauch und untersucherseitig aus einem Bügel mit zwei Oliven (“Ohrenstöpsel”). Die Oliven sollen nach vorne gerichtet sein, da auch der äußere Gehörgang nach vorne verläuft.
Manche Typen verfügen über einen zweiseitigen Kopf. Meistens haben sie sowohl eine Membran, als auch einen Schalltrichter. [2] Durch Drehen am Kopf kann man die gewünschte Seite einstellen.
Funktionsprüfung
Vor der Verwendung muss mittels Beklopfen der Membran oder des Schalltrichters geprüft werden, ob der Kopf des Stethoskops auf die gewünschte Seite eingestellt ist und ob die Schallleitung funktioniert.
Hygienische Wiederaufbereitung,
Das Stethoskop ist ein häufiges Vehikel zur Keimübertragung. Nach jedem Patienten soll eine Wischdesinfektion mit Flächendesinfektionsmittel vorgenommen werden.
Bludruckmessung nach Riva-Rocci#
Die Blutdruckmessung nach Riva-Rocci[3] ist eine indirekte, unblutige, mechanische Messung mittels einer Druckmanschette.** Umgangssprachlich wird die Blutdruckmessung nach Riva-Rocci als “RR-Messung”, bzw. der ermittelte Wert als “RR” abgekürzt.
Bei der RR-Messung gibt es zwei Möglichkeiten zu einem Wert zu kommen. Die genauere ist die auskultatorische Methode (durch Hören von Strömungsgeräuschen). Die zweite Möglichkeit ist die palpatorische Methode (durch Tasten des Pulses).
Achtung
Der diastolische Blutdruckwert kann nur bei der auskultatorischen Methode ermittelt werden!
Auskultatorische Methode#
Die Manschette sollte faltenfrei und nicht über Kleidung, in der Mitte des Oberarms angelegt werden und sich, wenn möglich, auf Herzhöhe befinden.[4] Die Mitte der Luftkammer soll über der Oberarmarterie zu liegen kommen. Manche Manschetten haben einen Markierungspfeil für die Oberarmarterie, der Pfeil soll dann oberhalb dieser zu liegen kommen. Man achte auf die Lage der Innen- bzw. Außenseite!
Nun wird der Puls an der Radialarterie (A. radialis) getastet. Die Manschette wird solange aufgepumpt, bis der Puls nicht mehr getastet werden kann. Dann werden noch 20-30 mm Hg weiter aufgepumpt. Das Stethoskop wird in der Ellenbeuge auf die Oberarmarterie (A. brachialis, Verlauf an der Innenseite der Ellenbeuge) angelegt. Die Luft wird langsam aus der Manschette abgelassen.
Der Wert, bei dem man erstmalig ein Pochen (Korotkowsche Geräusche) hört, gilt als systolischer Wert. Die Luft wird weiter abgelassen. Der Wert, bei dem das Pochen verschwindet, ist der diastolische Wert. Es kann vorkommen, dass das Pochen nicht verschwindet, sondern nur plötzlich leiser wird, dann gilt der Druck, bei dem das Pochen deutlich leiser wird, als diastolischer Wert.
Dokumentiert wird der Blutdruck mit dem Zusatz RR (z. B.: RR 120/80 mm Hg).
Der Normalwert beim Erwachsenen liegt in etwa bei RR 130/80 (vgl. blutdruck).
Prinzip der auskultatorischen RR-Messung#
In Abhängigkeit vom außen anliegenden Manschettendruck kommt es zu einem unterschiedlich starken Blutfluss und dadurch entstehenden, hörbaren, Strömungsgeräuschen.
© Lena Hirtler, ℓ MfG
Palpatorische Methode#
Die Manschette sollte faltenfrei und nicht über Kleidung, in der Mitte des Oberarms angelegt werden und sich, wenn möglich, auf Herzhöhe befinden [5]. Nun wird der Puls an der Radialarterie (A. radialis) ertastet. Die Manschette wird solange aufgepumpt, bis der Puls nicht mehr getastet werden kann, dann wird der Druck um weitere 20 mm Hg erhöht. Die Finger bleiben auf der Radialarterie (A. radialis). Die Luft wird langsam aus der Manschette abgelassen. Der Druck, bei dem der Puls wieder fühlbar ist, ist der systolische Wert. Der diastolische Wert kann mit dieser Methode *nicht ermittelt werden!*
Was ist besonders zu beachten?#
Die Blutdruckmanschette soll nach Möglichkeit nicht auf der Seite …
eines Shuntarmes [6] bei Dialysepatienten
eines Armödems, z. B. nach einer Brustamputation, oder
einer Halbseitenschwäche oder -lähmung
einer Verletzung
angelegt werden. Idealerweise sollte die Manschette auch nicht an einer Extremität mit einem venösen Zugang angelegt werden.
Achtung
Shunt-Arme sind tabu für die Blutdruckmessung!