EKG (Basics)#

Mittels der Elektrokardiographie (EKG) wird die elektrische Aktivität des Herzens und damit des Reizbildungs- und leitungssystems in einem Elektrokardiogramm über die Zeit dargestellt. Dazu werden auf dem Körper nach einem bestimmten Muster Elektroden aufgeklebt und mittels eines Kabels mit einem EKG-Gerät verbunden.

EKG – Ablauf einer Erregung#

Die einzelnen Abschnitte einer EKG-Kurve zeigen die Erregung der unterschiedlichen Teile des Erregungsleitungssystems im Zeitverlauf an. Demenstsprechend kann man die EKG-Kurve in verschiedene Segmente teilen: Die P-Welle entspricht dabei der Vorhoferregung, die PQ-Zeit der Überleitung vom Vorhof in die Kammern (AV-Überleitung). Der QRS-Komplex wird durch die Kammererregung erzeugt, wohingegen die ST-Strecke und die T-Welle die Erregungsrückbildung repräsentieren.

Eine elektrische Herzaktion. Die einzelnen Abschnitte im zeitlichen Verlauf repräsentieren unterschiedliche Stadien der Erregung: P-Welle ≈ Vorhoferregung, PQ-Zeit ≈ AV-Überleitung, QRS-Komplex ≈ Kammererregung, ST-Strecke + T-Welle ≈ Erregungsrückbildung. © WMC:Hank, ℓ CC BY-SA 2.0 DE Eine elektrische Herzaktion. Die einzelnen Abschnitte im zeitlichen Verlauf repräsentieren unterschiedliche Stadien der Erregung: P-Welle ≈ Vorhoferregung, PQ-Zeit ≈ AV-Überleitung, QRS-Komplex ≈ Kammererregung, ST-Strecke + T-Welle ≈ Erregungsrückbildung. © WMC:Hank, ℓ CC BY-SA 2.0 DE
Reizleitungssystem, Schema. : Sinusknoten, : AV-Knoten © J. Heuser, basierend auf der Arbeit von Patrick J. Lynch, illustrator; C. Carl Jaffe MD, cardiologist, Yale University Center for Advanced Instructional Media, ℓ CC BY 2.5 Reizleitungssystem, Schema. : Sinusknoten, : AV-Knoten © J. Heuser, basierend auf der Arbeit von Patrick J. Lynch, illustrator; C. Carl Jaffe MD, cardiologist, Yale University Center for Advanced Instructional Media, ℓ CC BY 2.5

Bilderserie: Reizleitungssystem#

Bemerkung

  • Das EKG zeigt nur die elektrische Aktivität, nicht aber die tatsächliche Muskelarbeit an!

  • Es erlaubt keine Aussage über die Auswurfleistung!

    • Grundsatz: Selbst ein pulsloser Patient kann (für einige Zeit) ein unauffälliges EKG aufweisen!

Ein EKG kann verschiedene Ableitungen haben#

Je nach Position der Elektroden (und elektrischer Schaltung) unterscheiden sich die abgeleiteten elektrischen Herzströme. Um die elektrischen Herzströme aus verschiedenen Perspektiven in jeweils einer Kurve abzubilden und beurteilen zu können, diese Kurven jedoch zwischen verschiedenen Untersuchungen und Patienten vergleichbar zu machen, haben sich Standard-Elektrodenpositionen und Standardableitungen etabliert. Die gebräuchlichsten sind die Extremitätenableitungen und den Brustwandableitungen: [1]

  • 6 Extremitätenableitungen:

    • 4 Elektroden an den Extremitäten (bzw. am Übergang Rumpf – Extremitäten)

    • I, II, III, aVL, aVR, aVF

  • 6 Brustwandableitungen:

    • 6 Elektroden am Brustkorb

    • V1—V6

    • Genaue Positionierung wichtig!

Extremitätenableitungen#

Die Extremitätenableitungen werden mittels vier Elektroden abgeleitet. Je eine Elektrode wird an den Enden der Extremitäten angebracht. Zur Vereinfachung können die Elektroden auch am Übergang vom Rumpf zu den Extremitäten angebracht werden (z. B. statt dem rechten Arm an der rechten Schulter). Wichtig ist, dass die horizontalen Elektrodenpärchen immer auf gleicher Höhe angebracht werden! Zu den Positionen der Elektroden siehe [Table-ekg-elektroden-position].

Aus den Informationen der vier Elektroden erzeugt das EKG-Gerät sechs Ableitungen (I, II, III, aVL, aVR und aVF).

Brustwandableitungen#

Die Brustwandableitungen werden mittels sechs Elektroden abgeleitet und erlauben eine genauere Zuordnung von Störungen zu der jeweiligen Region des Herzens. Aus den Informationen der sechs Elektroden erzeugt das EKG-Gerät sechs Ableitungen: V1—V6. Zu den Positionen der Elektroden siehe Farbe und Standardpositionen der EKG-Elektroden. Die richtige Positionierung der EKG-Elektroden ist Voraussetzung um ein sinnvoll auswertbares und den einzelnen Herzabschnitten zuordenbares EKG zu erstellen. Falsch angebrachte Elektroden können ein EKG derart verfälschen, dass es zu gravierenden Fehldiagnosen kommen kann. [2]

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Ein Multifunktionsgerät mit Monitor, nicht-invasiver Blutdruckmessung, Pulsoxymetrie 12-Kanal-EKG und integriertem Defibrillator mit SAED-Funktion (Corpuls:sup:3)#

© Ch. Pallinger ℓ MfG

Praxis des EKG-Schreibens#

In der Praxis ergeben sich daraus zwei Anwendungsfälle:

  • Rhythmusstreifen: Bestehend aus den Extremitätenableitungen zur Beurteilung des Herzrhythmus und zum Monitoring.

  • 12-Kanal-EKG: Bestehend aus den Extremitätenableitungen und den Brustwandableitungen zur Diagnostik des Herzrhythmus und zur Diagnose und Lokalisation von Herzschädigungen, vorwiegend des Herzmuskels. Störungen können damit der jeweiligen Herzregion zugeordnet werden. Wenn vorhanden, ist das 12-Kanal-EKG (“12er”) für die Diagnostik das Mittel der Wahl.

Farbe und Standardpositionen der EKG-Elektroden#

Elektrode

Position

Alternative Position

ROT

Rechte Hand

Rechte Schulter

GELB

Linke Hand

Linke Schulter

GRÜN

Linker Fuß

Linke Leiste

SCHWARZ

Rechter Fuß

Rechte Leiste

V1

4. ICR rechts vom Sternum

V2

4. ICR links vom Sternum

V3

Mitte zwischen V2 und V4

V4

5. ICR links in der Verlängerung der Schlüsselbein-Mittellinie

V5

5. ICR vordere Achsellinie (zw. V4 und V6)

V6

6. ICR in der mittleren Achsellinie

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Extremitätenableitungen und Brustwandableitungen#

© WmCo/Madhero88, ℓ PD

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10 Elektroden ergeben 12 Ableitungen: Unauffälliger 12-Kanal-EKG-Befund#

© WMC, ℓ PD

Literatur#

🗎 Kaindl 7 🗎 Kuehn 2002 1 🗎 Kuehn 2003 2

🗎 EcgEmergencyDec 2