Traumacheck#
Ein Traumacheck ist eine überblickshafte Suche nach Verletzungen oder Verletzungsanzeichen am (liegenden) Patienten. Er dient dem raschen Erkennen von kritischen Verletzungen und ersetzt keine vollständige körperliche Untersuchung.
Bei Hinweis auf eine Schädelverletzung ist ein Neurocheck auf jeden Fall erforderlich! Teile des Traumachecks werden während des Einschätzungsblocks bei der Schnellen-Trauma-Untersuchung (STU) durchgeführt. Bei vital bedrohten (zeitkritischen) Patienten wird ggfs. bewusst kein vollständiger Traumacheck durchgeführt um nicht unnötig Zeit zu verlieren!
Vollständiger Traumacheck#
Patient orientiert? Unfallhergang erinnerlich? Schmerzen?
Sichtkontrolle von Mund, Nase und Ohren auf Blutungen (mit einer Lampe)
Bei Blutungen aus Ohren oder Nase
Tupfertest: Etwas Blut aus Ohren oder Nase wird mit einem Tupfer auffangen. Aufgrund der Kapillarwirkung steigt das Blut am Tupfer auf, wobei Liquor schneller aufsteigt. Sollte daher im Blut Liquor enthalten sein bildet sich um den roten Blutfleck ein heller, bernsteinfarbener Hof.
Pupillen: Begutachtung und Lichtreaktion
Pupillen gleich weit?
Blickstarre (Herdblick)?
Lichtreaktion: In jedes Auge zwei mal leuchten und jeweils das gleiche und das andere Auge beobachten
Beurteilung von:
Schnelligkeit der Reaktion: prompt, verzögert?
Reagieren immer beide Pupillen? [1]
Inspektion und Abtasten: mit festem Griff von Kopf bis Fuß. Schmerzhafte Stellen zuletzt untersuchen.
Zur Inspektion muss der Patient entkleidet werden, bei immobilisierten oder bewusstlosen Patienten muss dazu oft die Kleidung aufgeschnitten werden. Wärmeerhalt beachten! Ggfs. den Patienten erst in geschützter Umgebung (Fahrzeug, Behandlungsraum, …) entkleiden und Inspektion nachholen.
Schädel: Schädeldach, Hinterkopf, Stirn, Wangenknochen, Nasenbein, Kiefer
Hals und Halswirbelsäule: Tastschmerz?
Keine Manipulation bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung!
Obere Extremität: Schultern, Arme, Hände
Brustkorb: vorne und seitlich (Prellmarken? Atemmechanik? Hautemphysem? Gegen leichten Druck einatmen lassen)
Bauch: in 4 Quadranten (Prellmarken? Abwehrspannung/harte Bauchdecke?),
Becken: von der Seite andrücken, schmerzhaft?
Rücken und Wirbelsäule: Tast-, Klopfschmerz?
Keine Manipulation bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung!
Untere Extremität: Beine (sichtbare Verletzungen?), Füße (Schuhe und Socken ausziehen)
Durchblutung, Motorik, Sensibilität (DMS) der Peripherie (Finger und Zehen)
Durchblutung: Nagelbettprobe (Rekapillarisierungszeit): Leichter Druck auf Nagelende bis Nagelbett weiß ist, dann loslassen. Die Zeit bis Nagelbett wieder rosarot ist sollte nicht länger als 1—2 Sekunden sein. Seitenvergleich! Eine verlängerte Rekapzeit deutet auf eine Durchblutungsstörung hin: Einseitig oder beidseitig? Lokal oder systemisch?
Motorik: Bewegen lassen
Sensibilität: “Spüren Sie das? Welchen Finger habe ich berührt?”